Full text : Schutz dem Arbeiter!

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stützung  liehen  —  zu  eignem  Schutz  gegenüber  den  mit  „Schleuderpreisen'
arbeitenden  jünger»  Firmen.  Die  Scheeren-Fabricanten  und
Scheerenschleifer  in  Solingen  (seit  1875)  und  die  Feilen  -Fabrica ­
  nten  und  Feilenhauer  in  Remscheid  haben  sich  ebenso  auf  eine
gemeinsame  Lohnliste  (unter  Einsetzung  freiwilliger  ständiger  Einigung^'
Ämter)  geeinigt,  um  dadurch  dem  Lohndruck  und  der  Preisschleuderel
einzelner  Fabricante»  wirksam  zu  begegnen.  Die  deutschen  Buchdrucker
und  Setzer  verpflichten  in  gleicher  Weise  ihre  Mitglieder  auf  die  June'
Haltung  einer  festgesetzten  Lohnliste  und  wird  der  Durchführung  seitens
der  Arbeitnehmer  durch  eine  Versicherung  gegen  Arbeitslosigkeit
Nachdruck  gegeben.
Die  Festsetzung  von  „Minimallöhnen",  wie  sie  der  socialdemokratische  Antrag  A»er
und  Genossen  von  1885  bezweckte,  wurde  von  den  Hauptantragstellern  selbst  (Grillenberger
  und  Bebel)  als  eine  „problematische"  und  „reactionäre"  Forderung  bezeichnet
Die  Löhne  von  der  einfachen  Majorität  der  je  aus  der  gleichen  Zahl  von  Arbeitgebern
und  Arbeitern  zusammengesetzten  Arbeitskammern  abhängig  machen,  —  von  Arbeit"-kümmern,
  die  sich  aus  allen  möglichen  Berufs  gruppen  zusammensetzen  sollten  ^
heißt  den  Zufall  und  die  —  Corruption  als  entscheidende  Instanz  in  den
Lebensfragen  der  nationalen  Industrie  einsetzen.  Der  socialdemokratische  Vorschlag  sah  nt"
Appellinstanz  gegen  die  Festsetzungen  der  Arbeitskammern  den  einmal  jährt'  1
zusammentretenden,  aus  den  Arbeitskammern  des  ganzen  Deutschen  Reiches  geb''
deten  ..Arbeitskammertag"  vor  —  die  „Krönung"  des  Werkes  gesetzgeberische
„Weisheit"  !
Eine  Festsetzung  der  Arbeitslöhne  kann  immer  nur  durch  die  einzelne
Berufsgruppe  und  nur  unter  sorgfältigster  Berücksichtigung  der  Marktverhältnisse
  erfolgen.  Abgesehen  von  den  großen  technische"
Schwierigkeiten  einer  zutreffenden  Festsetzung  nach  Quantität  und  Qua'
lität  würde  eine  obrigkeitliche  Festsetzung  den  „Krieg  Aller  gege"
Asse"  —  um  die  Staatsgewalt  resp.  deren  Beeinflussung  eröffne»-Die
  Obrigkeit  kann  um  so  weniger  die  Verantwortung  übernehmen,
die  Steigerung  der  Lohne  der  einen  Arbeiterkategorie  die  Preise  der
Producte  und  damit  auch  die  Schwierigkeit  der  Le  b  en  sh  alt  u  n  g  aller
übrigen  Arbeiter,  der  Gesammt-Consumenten  erhöht.  Die  obriş
keitliche  Festsetzung  der  Löhne  hat  die  obrigkeitliche  Regulirung  der  Pşş
der  Producte  und  des  Waarenmarktes  zur  Folge  resp.  Vor'
aussetz  uu  g.  Das  ist  ein  unlösbares  Problem,  —  die  Klippe,  sl "
welcher  die  Verwirklichung  des  Gedankens  von  Rodbertus,  durch  sta»^
liche  Lohntaxen  die  Lebenshaltung  des  Arbeiterstandes  zu  heben,  scheitern
muß.  Angebot  und  Nachfrage  sind  vorläufig  die  einzig  möglichen  eut
scheidenden  Regulatoren,  wie  auf  dem  Waarenmarkte,  so  auch  auf  de>"
Arbeitsmarkte  —  wenn  dieselben  auch  gewiß  manchfache  Correctur  dure)
Organisation,  Gesetz  und  Sitte  finden  müssen.  Ein  bureaukratischer  Appar"
würde  bald  versagen  und  erst  recht  den  Kampf  der  Interessen  provocire"-
            
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