Full text : Schutz dem Arbeiter!

45

genannte  Arzt  fand  über  5  pCt.  mehr  Kurzsichtige  unter  den  Fädlerkindern,  als  unter  den
andern,  und  die  Zahl  der  Augenkranken  betrug  ungefähr  das  2Ursache,  als  bei  den  andern ­
  Altersgenossen.
„Aber  auch  wo  derartige  Einflüsse  in  Wegfall  kommen,  wo  nur  der  Arbeitsraum
mit  seinen  Schädlichkeiten  in  Betracht  kommen  kann,  zeigen  sich  unverkennbare  Nachtheile
er  Fabrik-Beschäftigung.  Nach  meiner  Zusammenstellung  der  Krankenlisten  einer  großen
Ģhl  von  Fabrik-Hülfskassen  ergab  sich,  daß,  wenn  man  die  Zahl  der  durchschnittlich  auf
le  cs  männliche  Mitglied  aller  Altersklassen  und  Industriezweige  jährlich  entfallenden
Krankheitstage  —  100  annimmt,  die  entsprechende  Ziffer  für  die  14  bis  18jährigen
—  55  sich  stellt,  bei  weiblichen  Personen  —  60.  Es  zeigte  sich  nun,  daß  bei  der  B  au  mlö01
  l-Spinnerei  und  -Weberei  dieses  Verhältniß  für  das  männliche  Geschlecht  wie
00:71,  für  das  weibliche  wie  100:63  sich  stellt,  bei  der  Seidenzwirnerei,  -Minderet
und  Weberei  wie  100:55,  resp.  81,  daß  dagegen  die  Verhältnißzahl  für  die  jugendlichen
Stickerei-Arbeiter  (14—18jährig)  beider  Geschlechter  (in  kühlen  Localen  arbeitend)  nur  100  :38
oîrug,  für  die  Ziegel-Arbeiter  100:39,  für  die  Bleicher  und  Färber  gar  nur  100:13.
Dies  darf  wohl  als  Beweis  angesehen  werden,  wie  vor  allem  der  geschlossene  Raum
mit  hoher  Temperatur  als  krankmachendes  Moment  wirkte.  Den  nachtheiligen  Ein->uß
  der  Fabrikarbeit  auf  das  heranwachsende  Geschlecht  beweist  auch  das  häufige  Vorvinmen
  temporärer  Dien  st  untauglichkeit  wegen  mangelhafter  Körperentwickeuug
  bei  den  Recruten  gewisser  Bezirke.  Aus  fabrikindustriereicher  Gegend  mußten  bei  uns
m  der  Schweiz  durchschnittlich  19,7—23,3  pCt.  aus  diesem  Grunde  für  ein  bis  zwei
àhre  zurückgewiesen  werden,  in  fabrikarmer  nur  14,3—18,9  pEt.  Die  Entwickelung
Mar  also  bei  den  Fabrikarbeitern  mindestens  öfter  eine  verspätete.  Aber  auch  als  eine
interni)  hinter  der  andern  Bevölkerung  an  Kraft  und  Gesundheit  zurückstehende  stellte
fleh  die  männliche  Fabrik-Bevölkerung  dar.  Währeitd  zun:  Beispiel  von  sämmtlichen  16,040
ecruten  eines  ostschweizerischen  Kreises  11,3  pCt.  wegen  mangelhafter  Entwickelung  definitiv
entlassen  werden  mußten,  waren  es  bei  den  Stickern  14,5,  bei  allen  andern  Fabrikarbein
  10,3  pCt.  All'  dies  stimmt  mit  der  Wahrnehmung  überein,  welche  der  oberflächlichste
Beobachter  macht,  mit  dem  in  der  Regel  viel  schlechtem  Aussehen  der  Fabrikkinder.
„Als  selbstverständliche  Folgerung  aus  den  angeführten  Wahrnehmungen  ergibt  sich,  daß
Kinder  bis  zur  Vollendung  ihrer  körperlichen  Entwickelung  nicht  in  Fabriken  beschäftigt
werden  sollten.  Für  werthvolle  Thiere  gilt  es  als  Regel,  daß  sie  vor  diesem  Zeitpunkt ­
  zu  keinen  anstrengenden  Dienstleistungeir  herangezogen  werden.  Dem  heranwachsenf
 n  Menschen  kann  leider  bei  unsern  socialen  Verhältnissen  keine  solche  Berück-Nchtigung
  zu  Theil  werden;"  .  .  .  aber  „je  mehr  die  gesetzlichen  Vorschriften  bic
' em  Ziele  näher  kommen,  um  so  lebhafter  wird  der  Hygieniker  sie  willkommen
Wen."
Der  VI.  Internationale  Congreß  für  Hygiene  trat  den
Ausführungen  des  Referates  durch  folgende  Resolution  bei:
Die  nachtheiligen  Folgen  der  Fabrik-Industrie  für  Kinder  (Leute  unter  18  I  a  h  r  e  n)
offenbaren  sich  bald  durch  charakteristische  Mißstaltungen,  Schwächungen  einzelner  Organe,
ald  durch  Hemmung  der  körperlichen  Entwickelung  und  größere  Morbidität  (Kränklicheck)
  als  bei  andern  Berufsarten.  Es  erscheinen  daher  vom  hygienischen  Standpuitkte  aus
>ur  d,e  Altersstufen  von  14  bis  18  Jahren  bezüglich  der  Arbeitsdauer,  noch  mehr  aber
ezüglich  der  Nachtarbeit,  gesetzliche  Beschränkungen  wünschenswerth,  für  Altersklassen  jedoch
lîsE  în  dem  Commissionsbericht  der  Plauener  Handelskammer,  die  Arbeiterschutz-Gesetî-Sevung
  betreffend,  vom  Jahre  1885.)  ’  1  9
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.