66
gehen will, und dieser ist die Zerstörung des Familienlebens. -
Arbeiterin — schreckliches Wort, welches früher keine Sprache gekannt,
welches keine Zeit vor diesem eisernen Zeitalter begriffen hat, und welches
allein im Stande ist, alle angeblichen Fortschritte unserer Tage aufzw
heben (Michelet). Das Weib, welches Arbeiterin geworden, ist nicht
mehr ein Weib; sie führt nicht mehr dieses verborgene, geschützte, züchtige
Leben, umgeben von den zarten, heiligen Eindrücken des Familienlebens,
was alles sowohl für das Glück des Weibes wie für das Glück dee
Familie so heilsam ist. Es lebt nicht mehr unter der Herrschaft ihres
Mannes, sondern eines Werkführers, unter Mitarbeiterinnen mit vielfach
verdächtiger Sittlichkeit, in fortgesetzter Berührung mit Männern, g^
trennt von ihrem Manne und ihren Kindern. In einer solchen Arbeit
ter-Familie sind Vater und Mutter vierzehn Stunden täglich abwesend-
Da ist also keine Familie mehr. Die Mutter kann ihre eigenen Kindel
nicht mehr stillen. Daher eine erschreckende Sterblichkeit. Die Kindel
mit drei und vier Jahren laufen auf den Straßen herum, von Hungel
und Kälte gequält. Wenn dann um 7 Uhr Abends Vater, Mutter und
Kinder sich in dem einzigen Zimmer, welches sie haben, zusammenfinden,
der Vater und die Mutter ermüdet von der Arbeit und die Kindel
hungrig und erstarrt, dann ist nichts bereitet. Die Stube stand leel
den ganzen Tag, Niemand war da, um für die nothwendigsten Bedürf'
nisse und für Sauberkeit zu sorgen. Kein Feuer auf dem Herd, die
Mutter sehnt sich nach Ruhe, es fehlt ihr die Kraft, noch Nahrung^
mittel zu bereiten; ihre eigenen, wie die Kleider ihres Mannes und ihrel
Kinder sind zerlumpt: da haben wir das traurige Bild einer Familie,
wie unsere Fabriken es vielfach schufen. Man braucht sich wahrhaftig
nicht zu wundern, daß der Vater, wenn er ermüdet die Fabrik verläßt,
nur mit Widerwillen in diese enge, schmutzige, ungelüftete Spelunke tritt,
wo ihn halbnackte Kinder erwarten und ein Weib, das er fast nicht mehl
kennt, weil es nicht mehr in seinem Hause wohnt; wenn er dann die
Schänke dieser Stube vorzieht und dort seinen ganzen Gewinn vergeudet,
und seine Gesundheit zerstört. Das Resultat dieser Zustände aber ist
große Armuth vieler Arbeiter mitten in einer blühenden Industrie.« ^
„So beschreibt Simon, nachdem er lange Jahre alle Fabrikbezirke Frank'
reichs besucht hatte, die Zustände in manchen französischen Fabrikķ"
zirken, wo die Frauen in den Fabriken arbeiten und dadurch die
mitte zerstört ist. Er kommt daher zu dem Resultat, daß alle Lohn"
erhöhung für den Acbeiterstand unnütz ist ohne Besserung der Sitten,
und daß alle Besserung der Sitte im Arbeiterstande von der Hebung
des Familienlebens, wo immer es durch die moderne Industrie und bo^
Fabrikleben beschädigt ist, abhängt. »Schrecklich,« ruft er aus, »bo%