Full text: Schutz dem Arbeiter!

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gehen will, und dieser ist die Zerstörung des Familienlebens. - 
Arbeiterin — schreckliches Wort, welches früher keine Sprache gekannt, 
welches keine Zeit vor diesem eisernen Zeitalter begriffen hat, und welches 
allein im Stande ist, alle angeblichen Fortschritte unserer Tage aufzw 
heben (Michelet). Das Weib, welches Arbeiterin geworden, ist nicht 
mehr ein Weib; sie führt nicht mehr dieses verborgene, geschützte, züchtige 
Leben, umgeben von den zarten, heiligen Eindrücken des Familienlebens, 
was alles sowohl für das Glück des Weibes wie für das Glück dee 
Familie so heilsam ist. Es lebt nicht mehr unter der Herrschaft ihres 
Mannes, sondern eines Werkführers, unter Mitarbeiterinnen mit vielfach 
verdächtiger Sittlichkeit, in fortgesetzter Berührung mit Männern, g^ 
trennt von ihrem Manne und ihren Kindern. In einer solchen Arbeit 
ter-Familie sind Vater und Mutter vierzehn Stunden täglich abwesend- 
Da ist also keine Familie mehr. Die Mutter kann ihre eigenen Kindel 
nicht mehr stillen. Daher eine erschreckende Sterblichkeit. Die Kindel 
mit drei und vier Jahren laufen auf den Straßen herum, von Hungel 
und Kälte gequält. Wenn dann um 7 Uhr Abends Vater, Mutter und 
Kinder sich in dem einzigen Zimmer, welches sie haben, zusammenfinden, 
der Vater und die Mutter ermüdet von der Arbeit und die Kindel 
hungrig und erstarrt, dann ist nichts bereitet. Die Stube stand leel 
den ganzen Tag, Niemand war da, um für die nothwendigsten Bedürf' 
nisse und für Sauberkeit zu sorgen. Kein Feuer auf dem Herd, die 
Mutter sehnt sich nach Ruhe, es fehlt ihr die Kraft, noch Nahrung^ 
mittel zu bereiten; ihre eigenen, wie die Kleider ihres Mannes und ihrel 
Kinder sind zerlumpt: da haben wir das traurige Bild einer Familie, 
wie unsere Fabriken es vielfach schufen. Man braucht sich wahrhaftig 
nicht zu wundern, daß der Vater, wenn er ermüdet die Fabrik verläßt, 
nur mit Widerwillen in diese enge, schmutzige, ungelüftete Spelunke tritt, 
wo ihn halbnackte Kinder erwarten und ein Weib, das er fast nicht mehl 
kennt, weil es nicht mehr in seinem Hause wohnt; wenn er dann die 
Schänke dieser Stube vorzieht und dort seinen ganzen Gewinn vergeudet, 
und seine Gesundheit zerstört. Das Resultat dieser Zustände aber ist 
große Armuth vieler Arbeiter mitten in einer blühenden Industrie.« ^ 
„So beschreibt Simon, nachdem er lange Jahre alle Fabrikbezirke Frank' 
reichs besucht hatte, die Zustände in manchen französischen Fabrikķ" 
zirken, wo die Frauen in den Fabriken arbeiten und dadurch die 
mitte zerstört ist. Er kommt daher zu dem Resultat, daß alle Lohn" 
erhöhung für den Acbeiterstand unnütz ist ohne Besserung der Sitten, 
und daß alle Besserung der Sitte im Arbeiterstande von der Hebung 
des Familienlebens, wo immer es durch die moderne Industrie und bo^ 
Fabrikleben beschädigt ist, abhängt. »Schrecklich,« ruft er aus, »bo%
	        
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