Full text : Schutz dem Arbeiter!

71

.  Ģch  mit  dem  14.  Jahre  aufgehört  hat,  als  Arbeiterinnen  in  die  Fabriken  eintreten  und
fu  denselben  wo  möglich  bis  zu  ihrer  Verheirathung  verbleiben.  Von  der  Mutter  haben
!>e  weder  Kochen  noch  Haushalten  gelernt,  und  so  machen  sie  es  genau  wieder  so  wie  die
Cutter.  Die  Kinder,  bisweilen  von  mehrern  Familien,  werden  einer  alten  Großmutter
°^r  Wartefrau  überlassen,  welche  dieselben  aufpäppeln  und  besorgen  muß:  oder  es  werden
le  Säuglinge  früh  vor  6  Uhr  nach  der  »Krippe«  getragen  und  des  Abends  nach  7  Uhr
ļļ 0 "  da  wieder  abgeholt,  mag  die  Witterung  sein  wie  sie  will.  Die  Kinder  von  über
ïc ’  bis  sechs  Jahren  können  cuid)  der  Kinderbewahr-  und  -Beschäftigungs-Anstalt  zu  denselben
  Zeiten  überbracht  werden;  dagegen  sind  die  über  sechs  Jahren  außer  der  Schulşiît
  sich  selbst  überlassen.  Keine  dieser  Anstalten  ist  im  Stande,  die  fehende
  Mutter  zu  ersetzen.  Daß  es  dabei  mit  dem  leiblichen  Wohle  solcher  Kinder
"icht  zum  Besten  bestellt  ist,  beweist  auch  die  zunehmende  Sterblichkeit  der  Kinder
unter  einem  Jahre.  Die  Hauptschuld  daran  trägt  die  mangelhafte  Pflege  und
""zweckmäßige  Ernährung  der  Kleinen,  weit  seltener  ungesunde  Wohnung,  denn
ļ e,t  einem  Jahrzehnt  haben  sich  die  zuständigen  Behörden  und  Baumeister  bemüht,  auch
c "  Fabrikarbeitern  gesunde  Wohnhäuser  zu  errichten.  Was  nützt  aber  die  bestange-Eñtc
  Wohnung,  wenn  die  Bewohner  solche  durch  Reinhaltung  und  Lüftung  nicht
mubcr  zu  halten  wissen?  Denn  wenn  Mann  und  Frau  wcrktagsüber  in  Fabriken  beschäf-'9*
  sind,  so  wird  erst  am  Sonn-  oder  Feiertage  die  nothwendigste  Reinigung,  und  wenn
Whr  warm  ist,  auch  die  Lüftung  des  Zimmers  vorgenommen.  Die  Kinder,  welche  weder
ln  ber  Krippe,  noch  in  der  Beschäftigungs-Anstalt  untergebracht  sind,  werden,  wie  schon
9Ģgt,  während  der  Abwesenheit  der  Mutter  der  Obhut  einer  andern  im  Hause  wohnenden
àu  anvertraut.  So  kommt  es,  daß  die  Kinder  von  mehrern  Familien  in  einem
"immer  beisammen  sind.  Erkrankt  ein  solches  der  mütterlichen  Pflege  und  Auf-"wrksamkeit
  entbehrendes  Kind  an  einer  acuten  Jnfections-Krankheit,  so  wird  dieselbe  gewöhnlich ­
  erst  spät,  erst  wenn  die  ausgeprägtesten  Zeichen  einer  ernsten  Krankheit  vorhanden
!'"b,  wahrgenommen.  Inzwischen  ist  ein  zweites  oder  drittes  Kind  in  demselben  Hause
'"şicirt,  und  es  entsteht  und  verbreitet  sich  eine  En-  oder  Epidemie,  deren  Weitergreifen
ärztlicherseits  schwer  zu  hindern  ist.  Wäre  die  eigene  Mutter  nicht  tagsüber
ln  ber  Fabrik  beschäftigt,  so  würde  sie  die  Erkrankung  ihres  Kindes  früher  bemerkt
""d  ärztliche  Hülfe  in  Anspruch  genommen  haben,  es  würde  dann  weiterer  Jn-'
 ec tion  eher  vorgebeugt  worden  sein!
»Wenn  daher  eine  in  der  Fabrik  arbeitende  Mutter  durch  die  tägliche  Abwesenheit
""  ihren  Kindern  und  ihrer  Haushaltung  verhindert  ist,  die  Mutterpflichten  ihren  Kindern
^ñmüber  zu  erfüllen,  wenn  sic  verhindert  ist,  das  Hauswesen  so  zu  führen,
le  es  hygienischerseits  verlangt  werden  muß,  so  läßt  sich  das  nicht  anders
Q  §  wit  dem  Namen  »  U  eb  e  rb  ü  rdun  g  «  bezeichnen."

Wenn  die  Mutter  „den  Morgenimbiß  vorzubereiten  und  die  Kinder
r Uln  Schulbesuch  fertig  zu  machen  hat",  was  eine  Thätigkeit  von
ls  2  Stunden  ausmacht;  wenn  sie  am  Abend  wiederum  „mehrere
stunden  häusliche  Arbeiten  zu  verrichten  hat";  wenn  sie  „Pflege  und
Währung  ihrer  Kinder  selbst  vornehmen"  soll;  wenn  sie  „für  sich  selbst
k  ihre  Kinder  und  den  Mann  das  Mittags-  und  Abendessen  selbst  zuzeiten" ­
  soll;  wenn  in  der  That  „keine  Anstalten  im  Stande  sind",
En  Kindern  „die  fehlende  Mutter  zu  ersetzen":  wo  bleibt  da
er  Frau  dann  überhaupt  noch  Zeit  zur  F  a  b  rik  arb  e  it?  Und
es  so  zu  beklagen  ist,  daß  Fabrikarbeiterinnen  außer  Kaffee  und
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.