Full text : Schutz dem Arbeiter!

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Kartoffeln  nichts  zu  kochen  verstehen,  außer,  wenn  sie  früher  als  Dienst
Mädchen  gedient  haben:  sollte  man  dann  nicht  wenigstens  die  jungen
Frauen  durch  Ausschluß  aus  der  Fabrik  indirect  zwingen,  sich  nun
etwas  mehr  mit  der  Hauswirthschaft  und  dem  Kochen  im  eigenen  Hause
oder  auch  aushülfsweise  in  fremden  Haushaltungen  zu  beschäftigen?
Sowohl  Dr.  Köttnitz  wie  Fabrik-Jnspector  Dr.  Schuler  fordern
in  ihren  Referaten  eine  längere  freie  Zeit  für  die  Wöchnerinnen.
„Schon  der  Umstand,"  meint  Dr.  Köttnitz,  „daß  Wöchnerinnen  das
Lactations-Geschäft  nicht  regelmäßig  ausführen  können,  so  lange
sie  tagsüber  in  der  Fabrik  arbeiten,  muß  für  uns  zwingend  sein,
4—6  Wochen  Schonzeit  zu  gewährleisten,  denn  der  Hygieniker  muß  die
Erhaltung  und  Gesundheit  des  Säuglings  ebenso  erstreben,
als  die  der  stillenden  Mutter."
Dr.  Sch  uler  ist  erst  recht  von  dieser  Nothwendigkeit  überzeug
und  führt  aus,  daß  gerade  die  Industriezweige,  welche  vor  allem  ver'
heirathete  Frauen  beschäftigen,  z.  B.  die  Baumwoll-Jndustrie,  große
Gefahren  für  Wöchnerin  und  Kind  mit  sich  bringen.
„Welche  Bedeutung  die  lange  Schonzeit  der  Mutter  für  das  Kind  hat,  kann  nur  dcl
ermessen,  der  das  Leben  der  ärmern  Fabrik-Bevölkerung  genau  kennt.  Wo  kein  Ausschluß
besteht,  wo  die  Mutter  wieder  an  die  gewohnte  Arbeit  eilt,  da  verfällt  das  Kind  scho"
von  der  zweiten  Lebenswochc  an  der  Wartefrau,  die  meist  in  übelgelüftf'
tem,  möglichst  heißem  Raume  die  Kinder  unter  Mißachtung  aller  Reinlichkeit
unterbringt  und  mit  einer  Milch  füttert,  die  vermöge  ihrer  Behandlung  alle"
hygienischen  Anforderungen  Hohn  spricht.  Vom  Reichen  der  Mutterbrust  kan"
nicht  die  Rede  fein,  da  Morgens  früh  schon,  oft  noch  im  besten  Schlafe,  das  Kind  vo"
Hause  weggetragen,  Abends  spät  zurückgeholt  wird.
„Mag  nun  auch  die  von  der  Fabrik  ferngehaltene  Mutter  außer  dem  Hause  eine'"
Erwerbe,  vielleicht  selbst  landwirthschaftlicher  Arbeit  nachgehen,  sic  wird  immer  suchen  ^
schon  zur  Vermeidung  bezüglicher  Auslagen  —  das  Kind  selbst  zu  pflegen;  beschäftigt  s lC
sich  im  Hause,  desto  besser  für  ihr  Neugeborenes.
„Auf  diese  Weise  kam  das  Resultat  zu  Stande,  daß  in  meiner  engern  Heimath,
früher  die  Kindersterblichkeit  im  ersten  Jahre  (mit  Einschluß  der  Todtgebore'
nen)  durchschnittlich  mehr  als  29  Procent,  selbst  in  die  30  betrug,  dieselbe  in  wenige"
Jahren  nach  Einführung  des  W  ö  chn  er  inn  e  n-Au  s  s  ch  l  u  sse  s  um  fü"
Procent  sank  und  seit  Jahren  ungefähr  dem  schweizerischen  Mittel  entsprochen  hat,  M
früher  in  der  schweizerischen  Statistik  mit  den  höchsten  Ziffern  zu  figuriren.  Es  stellte  #
zugleich  heraus,  daß  die  Sterblichkeit  bei  den  Fabrikarbeiter-Kindern  im  ersten
»eite  eher  geringer  war,  als  bei  denen  der  Handwerker  oder  Bauern,  daß  sie  aber  in  de"
spätern  Monaten,  d.  h.  mit  dem  Aufhören  der  Mutterpflege  zu  höher»  Z  i  f  f  c  "  ^
anstieg  als  bei  der  übrigen  Bevölkerung.  Die  gleiche  Abnahme  der  Kindersterblichkeit  h"
man  in  Mülhausen  beobachtet,  dessen  allbekannte  niusterhafte  Fürsorge  für  die  Wşş
nerinnen  überall  nachgeahmt  zu  werden  verdient.  Sie  allein  ermöglicht  es  auch,  die  Scho"'
zeit  in  Wirklichkeit  und  zum  wahren  Nutzen  für  Mutter  und  Kind  durchzuführen,  den"
sonst  wird  Mangel  und  Hunger  manche  Wöchnerin  zwingen,  zu  früh  in  die  Fabrik  zuşş
zukehren.  Wo  aber  ein  Beitrag  aus  Hülfskassen  gesichert  ist,  wird  es  nicht  schwer  sallew
den  Ausschlußtcrmin  auch  auf  sechs  oder  acht  Wochen  auszudehnen.  Ich  betrachte  da)e
            
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