Germanisation der Lande zwischen Elbe und Oder. 359
Torf, der bei der Urbarmachung ihrer Hufen zu stechen sein
wird, bedingen sie sich!, wie überhaupt sür ihren Verkehr, Frei⸗—
heit aus von erzbischöflichem Zolle.
Es ist eine Kolonie mit durchaus eigenem Leben und
eigenem Recht, die hier begründet wird; fast nur als Landes⸗
herr genießt der Erzbischof von ihr Vorteil. Die späteren
Kolonien verwandter Art, die um Bremen herum an beiden
Ufern der Weser bis zum Schlusse des 12. Jahrhunderts be—
gründet wurden, die Siedelungen, die in der Gegend von
Hamburg in gleicher Zeit zu gleichem Zweck der Moorkultur
entstanden, erfreuten sich nicht alle derselben äußerst günstigen
Bedingungen. War es recht gewesen, Männer besonders frei
zu stellen, die den ersten Gefahren bisher unbekannter Anlagen
zu trotzen gewagt, so erschien der Wagemut der Amsiedler
späterer Zeit nicht in gleich hellem Lichte und die Bedingungen
gestalteten sich günstiger für den ansetzenden Landherrn. Immer
aber blieb der Grundsatz bestehen: daß die neue Siedelgemeinde
in den Genuß eines weitgehenden, freien Erbzinsrechtes gelangte,
daß bei ihrer Ansetzung eine aus ihren Mitgliedern gewählte
Kommission oder — dies ist später der gewöhnliche Fall —
ein Unternehmer, der die Siedler gesammelt hatte oder
sammeln wollte, für sie verhandelte und in vertragsmäßiger
Stipulation mit dem Herrn des Grundes die künftigen Rechte
der Gemeinde im Sinne weitreichender öffentlicher Freiheit
ordnete. Auch die Hufenanlage in einem Streifen und zu
besonderer Größe blieb gewahrt; bald ist sie als niederländisch
oder vlaemisch im ganzen Norden bekannt.
In diesen allgemeinen Zügen ging dann das Recht der
Moorkolonien der Vlamingen und Holländer auch auf anderes
als Moorgebiet über: aus der besonderen Kulturform entwickelte
sich die allgemeine Besiedelung des Ostens. Der Übergang begreift
sich leicht, bedenkt man, welch ausgedehnte Flächen schon Ost—
sachsens, noch mehr der slawischen Gebiete damals als Bruch
und Morast in stauender Nässe ruhten: sie zu kultivieren war
Oder wenigstens ihre späteren Nachbarn im Jahre 1181.