Full text : Urtheile der deutschen Handelskammern über Zollpolitik und Handelsverträge

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Stabilität  in  unseren  auswärtigen  Handelsbeziehungen  die  Ausbildung  fester  Verträge
und  die  Bindung  der  Tarife  das  wirksamste  Mittel  sei.  Unbeschadet  mancher
Nachtbeile  und  Enttäuschungen,  welche  namentlich  der  Vertrag  mit  Oesterreich-Ungarn
  für  mehrere  Industriezweige  mit  sich  gebracht  bat  und  die  wir  in  unserem
Bezirk  einstweilen  für  die  Papierindustrie,  die  Handschuhfabrikation,  die  Mühlen»
industrie,  die  Steinnußknopffabrikation  zu  constatiren  haben,  wollen  wir  doch  an
dem  Glauben  festhalten,  daß  das  Werk  dec-  wirthschasklichen  Friedens  innerhalb
der  großen  Zone  Europas,  wie  es  durch  die  beschlossene  Zollföderation  angebahnt
worden  ist,  den  betheiligten  Staaten  und  unseren  nationalen  großen  Erwerbszweigen ­
  zum  Nutzen  und  Segen  gereichen  werde.  Allerdings  trennt  uns  unser
Standpunkt  von  jenem  handelspolitischen  Ueberschwang,  der  in  der  Herabsetzung
der  einzelnen  Tarifpositionen  mehr  als  die  erstrebte  Basis  und  Stabilität  für  die
Eonsolidirung  unserer  Wirthschaftselemente,  nämlich  schon  den  Anbruch  einer  neuen
Freihandelsära  erblicken  möchte.  Wir  vermögen  die  Berechtigung  zu  dieser  Aut
fassllng  weder  der  Materie  selbst  noch  dem  principiellen  Standpunkt  unserer
Rcichoregierung  zu  entnehmen.  Wir  baden  es  nie  mißverstanden,  wenn  die  See
ftädtc  aus  ihrem  subjective»  Empfinden  heraus,  das  Schutzzollsystem  als  ein  antiquirteS
  Handelssystem  bezeichneten.  Aber  vom  nationalwirthschaftlichen  Stand
Punkt  wird  die  Summe  der  Einzelinteressen,  und  mag  dieselbe  noch  so  groß  sein,
immer  sorgfältig  von  den  allgemeinen  Interessen  zu  unterscheiden  sein.  Der
nationale  Handel  ist  nicht  wie  derjenige  des  einzelnen  Kaufmannes  nach  seinem
bloßen  Gewinn  oder  nach  der  bloßen  Vermehrung  der  Tauschwerthe  zu  beurtheilen,
sondern  er  hat  seinen  volkSwirthschaftlichen  Nutzen  in  der  Eonstituirung  des  allgemeinen ­
  und  bleibenden  Vermögens  zu  erweisen.  Aus  diesem  Gesichtspunkte  sind
wir  von  jeher  Anhänger  eines  maaßvollen  Schutzzollsystems  gewesen,  das  wir  als
eine  pädagogische  und  unentbehrliche  Maßregel  zur  industriellen  Erziehung  und
Kräftigung  unserer  Nation  unverändert  auch  heute  noch  unterstützen.  Wenn  jetzt
in  den  neuen  Handelsverträgen  an  diesen  und  jenen  Zollpositionen  Abänderungen
vorgenommen  worden  sind,  so  sehen  wir  darin  keinen  Bruch  mit  dem  Prinzip,
sondern  nur  ein  richtiges  System  der  Taktik  und  der  Auseinandersetzung  mit
denjenigen  Nationen,  die  sich  ans  den  gleichen  Fuß  der  Begünstigung,  aber  auâ'
des  Schutzes  mit  uns  gemeinsam  gegen  das  übrige  Ausland  stellen.  Solches  mußte
sich  aus  de»  Anforderungen  der  Zeit  und  der  politischen  Klugheit  ergeben.
„Die  unter  dem  Eindruck  der  Einführung  der  Mac.  Kiuley-BiU  befürchteten
Nachtbeile  haben  sich  in  unserem  Handelsverkehr  mit  de»  Vereinigten  Staatennicht
  im  ganzen  Umfange  verwirklicht.  In  einem  unserer  wichtigsten  Artikel.
Glacehandschuhe,  haben  sich,  was  die  besseren  Fabrikate,  die  unsere  Hanpterzeug»
nisse  sind,  anbetrifft,  die  alten  Aufträge  ziemlich  unverändert  wieder  eingestellt.
Andere  Fabrikate  haben  freilich  eine  starke  Schmälerung  des  Absatzes  zu  beklagen.
Es  gilt  dies  namentlich  von  der  keramischen  Industrie,  die  ihre  altgewohnten
Ordres  auf  der  Leipziger  Messe  fast  gänzlich  verloren  hak.  Auch  die  Ausfuhr
von  Kirschsaft,  der  früher  schifföladnngsweise  ab  Hamburg  nach  den  Vereinigten
Staaten  von  Nordamerika  versandt  wurde,  ist  durch  einen  Zoll  von  I.'»0  pCt.  a<l
valorem  vollständig  unterbunden  worden.  In  Kalisalzen  hat  sich  hingegen  das
amerikanische  Geschäft  Dank  der  diesen  Producte»  günstigen  Bestimmungc»  der
Mac.  Kinley-Bill  nicht  nur  erhalten,  sondern  es  hat  abcimals  erfreuliche  Fort
schritte  gemacht.  Die  ca.  I  ¿OüOOO  M.-Etr.  Abraumsalze,  welche  Hamburg  im
letzten  Iabr  nach  den  Vereinigten  Staaten  verfrachtete,  haben  ihren  Ursprung,
            
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