Full text : Urtheile der deutschen Handelskammern über Zollpolitik und Handelsverträge

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Verträge  mit  gebundenen  Tarifen  —  nW  solche  erweisen  sich  die  Verträge  vom  6.
bezw.  10.  December  1891,  wenn  auch  nicht  alle  Zollpositionen  gebunden  sind  —
abgeschlossen  hat.  In  der  Thatsache,  daß  unser  Export  nunmehr  ans  eine  sichere
Grundlage  gestellt  ist.  daß  er  zwölf  Jahre  hindurch  mit  festgelegten,  keiner  Er.
Höhung  unterliegenden  Tarifen  der  Vertragsländ.r  rechnen  kann,  ohne  plötzliche,
seine  Existenz  theilweise  gefährdende  Zollmaßnahmen  befurchten  zu  müssen,  erblicken
wir  einen  Vortheil,  der  die  wirklichen  und  vermeintlichen  Nachtheile  einzelner,  durch
die  neuen  Verträge  sich  geschädigt  fühlender  Jnteressenkreise  weitaus  überwiegen
dürfte.  Die  Handele-  und  Gewerbekammer  für  Oberbayern,  welche  schon  früher
der  Kgl.  Staatöregien,ng  ihre  Wünsche  in  Bezug  auf  die  Handelsbeziehungen  zu
Oesterreich-Ungarn,  Italien  und  der  Schweiz  dargelegt  hatte,  wurde  von  ibr  auch
im  Berichtsjahre  vor  Abschluß  der  Verträge  mit  Italien,  Belgien  und  der  Schweiz
zur  gutachtlichen  Aeußerung  in  vertraulicher  Weise  aufgefordert  und  bat  dem  Kgl.
Staatsministerium  des  Innern,  Abtheilung  für  Landwirtbschaft.  Gewerbe  und
Handel,  die  entsprechenden  Berichte  erstattet."
Handels-  und  Ģewerbekammer  für  Mittelfranken  (Nürnberg).
„Aus  dem  Jahre  1891  ist  als  wichtiges  und  erfreuliches  Ereigniß  zu  bezeichnen,
daß  die  Reichsregierung  in  demselben  die  Umkehr  von  dem  starren  Schutzzollsystem
und  den  Abschluß  von  Handelsverträgen  mit  Oesterreich  Ungarn,  Belgien.  Italien
und  der  Schweiz  bethätigt  bat,  welchen  Verträgen  voraussichtlich  in  nicht  ferner
Zeit  noch  weitere  mit  anderen  Nachbarstaaten  nachfolgen  werden.  Hiermit  ist  in
der  Handelspolitik  des  Reiches  der  Wendepunkt  eingetreten,  für  welchen  unsere
Kammer,  unbeirrt  durch  Anfeindung  aller  Art,  seit  einer  Reibe  von  Jahren  kämpft,
durchdrungen  von  der  Ueberzeugung,  daß  es  für  Länder,  die  im  Handel  auf  einander
  angewiesen  sind,  weil  ersprießlicher  ist.  sich  über  die  oft  entgegengesetzten
Interessen  ihres  Handels  und  ihrer  Industrie  zu  verständigen  und  sie  soweit  tbunlich
  in  dein  gemeinsamen  Brennpunkt  eines  Vertrages  zu  vereinigen,  als  sie  mit
einem  Wall  von  Zöllen  gegen  das  Nachbarland  abzusperren  zum  Vortheile  vielleicht
  Einzelner,  zum  Nachtheile  des  Ganzen.  Daß  diese  Erkenntniß  nun  auch  auf
Seite  der  Regierenden  zum  Durchbruch  gelangte,  gereicht  uns  um  so  mehr  zur
Befriedigung,  als  gleichzeitig  auch  die  deutschen  Getrcidezölle  eine  Abminderung
erfuhren,  gegen  welche  Zölle  und  deren  Erhöhung  als  ein  der  Volksernährung  berei
  tetes  Hinderniß  wir  oft  die  warnende  Stimme  erheben  haben,  lange  ohne  Erfolg,
während  jetzt  die  gemachten  Erfahrungen  wohl  nicht  länger  bezweifeln  lassen,  das;
die  Getreidezölle  nicht  vou  dem  Auslande,  sondern  von  den  einheimischen  Eons»,
menten  in  erhöhtem  Brotfrucht-  »nd  Brotpreis  getragen  werden  mußten.
„Sind  wir  demnach  in  der  Lage,  die  eingetretene  Wandlung  freudig  zu  begrüßen. ­
  ist  hiemit  auch  Vieles  erreicht,  so  wäre  es  doch  unrecht,  sich  allzu  optimistifcher
  Anschauung  über  die  erzielten  Resultate  hinzugeben.  Dieselbe  heischten
von  deutscher  Seite  manches  nicht  leichten  Herzens  zu  bringende  Opfer;  eine
große  Zahl  berechtigter  Wünsche  konnte  nicht  berücksichtigt  werten;  nicht  durchweg
ist  den  deutschen  Waaren  und  Fabrikaten  der  Eingang  in  den  benachbarten  Vertragsstaat
  erleichtert  worden;  die  differentiale  Behandlung  anderer  nicht  zu  den  Vertragsstaatcn
  gehörender  Länder  kann  erhebliche  Störung  und  schädliche  Einwirkung  aus
den  Handel  nicht  verfehlen.  Allein  diese  Nachtheile  werden  immerhin  durch  die
Vortheile  des  gegenwärtigen  Zustandes,  schon  durch  die  hiemit  für  eine  größere
Reihe  von  Jahren  geschaffene  dem  Handel  so  unentbehrliche  Stabilität  ter  Ver-
            
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