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gestalten, damit zuerst die Summe des Profits alle laufenden Auf
wandskosten zu decken im stände sei, und einen möglichst großen
Kein- und Gesamtgewinn ergebe. Auch die hierin liegende Gefahr,
dass nämlich die Höhe des Absatzes nicht die Höhe der Fabrikation
erreiche, ist sehr groß und fordert die ganze kaufmännische Tüch
tigkeit des Unternehmers heraus. Selbstredend besteht diese Gefahr
ebensogut für den Kaufmann, wie für den Gewerbetreibenden; und
sind die Fälle im praktischen Geschäftsleben, in welchen ein großer,
über das Verhältnis zum Absätze gemachter Einkauf, die alleinige
Ursache des Konkurses wurde, nicht selten, wenngleich diese Ur
sache nicht immer erkannt wird. Der möglichst hohe Absatz macht
diese Gefahr geringer in demselben Maße, in welchem er steigt.
Was alles der Erreichung dieses Zieles günstig und ungünstig ist,
wechselt nach Zeit und Ort und nach der Art der Unternehmung
so sehr, dass solche Einwirkungen allgemein nicht anzugeben
sind, aber gewiss ist, dass sie sich in gegebenen Fällen finden
und berücksichtigen lassen, und auch hier die Tüchtigkeit des
Geschäftsmannes oder, in unserer Ausdrucksweise, die Quantität
und Qualität seiner persönlichen Kapitalien die größte Bolle spielen.
Wenn man eine praktische, allerdings ganz selbstverständliche
Seite des gewerblichen und geschäftlichen Lebens, das Gelingen
der Produktion einerseits und die Bewahrung der Produkte vor
dem physischen Verderben andererseits ins Auge fasst, so muss
man, so groß auch die Bedeutung dessen in wirtschaftspolitischer
Hinsicht ist, ja eigentlich im Gebäude des Unternehmens so recht
den Unterbau ausmacht: doch abermals sagen, dass auch diese
Seite, die rein technische Momente umfasst, ganz in den Wir
kungskreis der persönlichen Kapitalien des Unternehmers gehört,
und in einer eigenen Wissenschaft der Gewerbekunde behandelt
werden sollte. Wir wollen nur einen Grundsatz citiereu, der alles
zusammenfasst, was hier etwa gesagt werden könnte: «Nichts
Nutzfähiges ungenützt zu lassen, und den größten Nutzeffekt mit
den geringsten Mitteln zu erzielen« ').
Eine andere und offenbar die größte Gefahr für ein Unter
nehmen liegt im Kredit.
Die Erscheinung des Kredits ist historisch erst nach dem
Bestände der Geldwirtschaft geworden, und in empirischer Weise
der Kegelmäßigkeit ihres Vorkommens nach von der Ge Id Wirtschaft
’) Knies, Tübinger Zeitschrift für Staatswissenschaft 1855. S. 469.