Full text : Das Unternehmen und der Unternehmergewinn vom historischen, theoretischen und praktischen Standpunkte

arbeiterfreundlichen  Tendenz  entsprungene  Nutzanwendung  machen,
befinden  sich  Sismondi  und  Rossi  ;  sie  legen  eben  nicht  wie  Say,
sondern  wie  Smith  in  ihren  Theorien  über  den  ünternehmergewinn
den  Hanptnachdruck  auf  das  Kapital  als  güterbildenden  Faktor.  Sie
erkennen  sehr  gut  die  moralische  Thätigkeit  des  Unteruehmers,
trennen  sie  zuerst  durch  empirische,  erkenntnisforschende  Erwägung
vom  Kapital,  fügen  sie  jedoch  daun  wieder  in  gewaltsamer  Weise
zusammen.  Sismondi')  sagt:  «Der  Wille,  der  Entschluss,  ein  Gut
anzuwenden,  gehören  notwendig  zum  Begriffe  des  Kapitals,  ebenso
wie  der  Entschluss,  seine  Glieder  zu  rühren  und  ihnen  eine  bestimmte ­
  Richtung  zu  geben,  zum  Begriffe  der  Arbeit,  und  ebensowenig ­
  wie  man  vom  Arbeiter  sagen  kann,  er  bekomme  eine  Entschädigung ­
  für  seine  Arme  und  eine  andere  für  den  Willen,  sie  zu
gebrauchen,  und  für  die  Intelligenz,  welche  er  bei  diesem  Gebrauche
aufwendet,  ebensowenig  kann  man  in  Bezug  auf  den  Kapitalisten
sagen,  ein  Gewinn  sei  für  das  materielle  Gut  und  ein  anderer  für
die  Aufsicht  und  Leitung.«  Auch  Rossi’)  sieht  die  persönlichen
Kräfte  und  Fähigkeiten  in  diesem  Sinne  als  Kapital  an,  beziehungsweise ­
  die  ünternehmerthätigkeit  als  einen  integrierenden  Teil  des
Kapitals.  Sie  Beide  hätten  recht,  wenn  ünternehmerthätigkeit  und
Kapital  ebenso  einer  Person  angehören  müssten,  wie  der  Arbeitswille
und  der  Arm  des  Arbeiters.
Der  letzte  Punkt  der  Smithschen  Theorie  über  den  Unternehmergewinn ­
  fällt  mit  den  auf  merklich  historischer  Grundlage  aufgeführten ­
  Erwägungen  Courcelle-Seneuils®),  welcher  den  Unternehmergewinn ­
  streng  vom  Lohne  und  Kapitalgewinne  sondert  und
ihn  auf  eine  Entschädigung  für  die  gelaufene  Gefahr  zurückführt.
Obgleich  er  sich  vor  allem  dadurch  von  Say  und  dessen  Schule
unterscheidet,  dass  er  der  erste  ist,  der  den  Besitz  von  Grund  und
Boden,  auch  als  Kapital  betrachtet,  wie  wir  ja  sehen,  dass  er  keinen
Gewinn  aus  Grundeigentum  speziell  aufstellt:  so  steht  doch  seine
endenz  zu  der  Says  in  enger  Verwandtschaft,  weil  er  den  Unterne
  mer  nicht  als  eine  vom  Kapital  dirigierte  Person  betrachtet,
sondern  die  Wahrheit  erfasst,  dass  die  Produktionsfaktoren,  also
auc  d^s  Kapital  umgekehrt,  vom  Unternehmer  dirigiert  werden.
Aber  nicht  wie  Say  legt  er  den  Hauptnachdruck  auf  diese  ünter-’)

  Nouveaux  principes.  I.  (Paris  1822).
*)  De  la  Distribution  de  la  richesse  (Bruxelles  1861).
*)  »Profit«  in  :  Coquelin  et  Couillaumin,  Dictionnaire  d’économie  politique.
            
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