Full text : Das Unternehmen und der Unternehmergewinn vom historischen, theoretischen und praktischen Standpunkte

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Die  Phönizier  waren  unstreitig  das  wirtschaftlichste  Volk  der
terra  antiqua,  sie  trieben  einen  großen  Handel  mit  der  ganzen
bekannten  Welt,  und  ihre  Industrie  muss  auf  einer  hohen  Stufe
der  Entwickelung  gewesen  sein,  da  Färberei,  Weberei,  Bronzeguss,
Töpferei,  Purpur  und  Glas  phönizische  Erfindungen  sind.
Während  es  so  bei  den  Phöniziern  ein  ausgebildetes  Industriesystem ­
  gab,  welches  auf  freier  Arbeit  beruhte,  und  damit  im
innigsten  Zusammenhänge  steht,  dass  sie  das  Handwerk  und  das
Verdienst  aus  den  Gewerben  nicht  für  schimpflich  hielten,  galt  bei
den  Griechen  eine  ganz  andere  Anschauung.  Handel  und  Gewerbe
waren  der  Verachtung  preisgegeben,  weil  dieselben  ausschließlich
fast  von  Sklaven  besorgt  wurden.  Wir  finden  diese  Anschauung
überall  dort,  wo  die  Gesellschaft  einen  Unterschied  machte  zwischen
vollberechtigten  Staatsbürgern  und  Sklaven,  Leibeigenen,  Juden  etc.
Und  wie  lange  ist  es  her,  dass  es  selbst  in  Deutschland  für  schimpflich ­
  galt,  wenn  Feudalherren  Handel  und  Industrie  trieben?
Die  Griechen  nun  hatten  ihr  Kapital  so  recht  eigentlich  in
Sklaven  angelegt.  Zur  Zeit  der  höchsten  Blüte  Griechenlands,  im
fünften  bis  dritten  Jahrhunderte  vor  Christo,  besaßen  die  Hellenen
zwölf  Millionen  Sklaven;  der  Preis  eines  Sklaven  wurde  damals
auf  ungefähr  170  Franks  bewertet,  was  ein  Nationalkapital  von
2140  Millionen  in  Sklaven  ergab,  eine  Summe,  welche  bei  dem
großen  Werte  des  Geldes  um  so  höher  erscheinen  muss.  Freilich
war  der  griechische  Sklave  Arbeiter  in  jeder  Beziehung,  nicht  nur
die  ganze  Nährthätigkeit  besorgte  er,  auch  die  Lehrthätigkeit  versah ­
  er;  haben  wir  doch  Beispiele  von  Sklaven,  die-  eine  hervorragende ­
  Stellung  in  hellenischer  Kunst  und  Wissenschaft  ein-Dahmen;
  nur  die  Wehrthätigkeit  war  das  Gebiet  des  griechischen
Bürgers.  Ein  tiefer  Unterschied  besteht  deshalb  zwischen  dem
Sklaven  des  klassischen  Altertums  und  dem  modernen  Sklaven.
Knies’)  schreibt  darüber:  rUnd  wenn  man  die  geistige  Natur  des
Menschen  damals  (im  Altertume)  und  jetzt  in  Vergleichung  zieht,
so  War  es  im  Altertume  die  stolze  Natur  des  Herrn,  dem  oft  der
geistig  überlegene  Sklave  den  Jugendunterricht  erteilt  hatte,  heutzutage ­
  ist  es  der  tiefe  Stand  der  wilden,  der  Leitung  und  Aufsicht
bedürftigen  Natur  des  Negersklaven,  auf  welche  die  Ursachen  einer
solchen  Institution  zurückgeführt  werden  müssen.«
Wie  groß  die  Verachtung  der  gewerblichen  Thätigkeit  bei  den
Griechen  zur  Zeit  ihrer  geistigen  Blüte  war,  wie  sie  aber  auch
’)  Polit.  Ökonomie  (1853).  S.  273  und  (1883).  S.  390.
            
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