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Einfluss im Senate ging nicht so weit, dass er die Ernennung
Robertson’s hätte sofort verwerfen lassen können. Er war
aber stark genug, die Beschlussfassung darüber zu verschleppen.
Inzwischen liess er alle ihm genehmen, vom Präsidenten vor
geschlagenen Beamten von dem Senate bestätigen. Es sollten
nun die New-Yorker Beamtenernennungen zur Berathung kom
men. Man wusste, dass Conkling alle werde bestätigen lassen,
mit Ausnahme Robertson’s. Natürlich waren unter den zu
Bestätigenden viele Freunde und Clienten Conkling’s. Da —
zog der Präsident, durch eine Botschaft an den Senat, am
Morgen eben jenes Tages alle Vorschläge für Ernennung New-
Yorker Beamten zurück, mit einziger Ausnahme Robertsons.
Conkling und seine Anhänger rasten; aber aus allen Thei-
len der Union erhielt Garfield Zustimmungsadressen und Tele
gramme, am meisten aus New-York. Diese Volksstimmung
schüchterte den Senat so ein, dass Conkling voraussah, die
Ernennung Robertson’s werde, wenn auch mit schwacher
Majorität, erfolgen. Nun führte er einen Theatercoup aus.
Er und Mr. Pratt, der zweite Senator des Staates New-York,
ein blindes Werkzeug Conkling’s legten ihr Senatorenmandat
nieder, um an ihre Wähler, d. h. an die gesetzgebende Ver
sammlung des Staates New-York, die gerade in Albany, der
Hauptstadt dieses Staates, tagte, zu appelliren. Man sagt mit
Recht, Conkling hätte warten sollen, bis diese Versammlung
— Ende des Jahres — neu gewählt sei.
Kaum hatte Conkling — am 16. Mai — sein Senatoren
mandat niedergelegt, so bestätigte der Senat zu Washington
am 18. Mai ohne Debatte und Abstimmung, consensu omnium,
die Ernennung Robertson’s zum Director des Zollamtes von
New-York.
Nun geschah das Unerhörte: Wenige Monate darauf schoss
ein Mann, der sich selbst als einen „Stalwart“, d. h. ein Mit
glied der Fraction Conkling, bezeichnete, auf den Präsidenten
Garfield und verwundete ihn tödtlich. Während des langen
Schmerzenslagers Garfields sprach sich die öffentliche Meinung
in der Union mit grosser Entschiedenheit für das Opfer aus.