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Ein deutscher Rédacteur, Herr Wolf aus Nebraska, den
wir in Colorado trafen, sagte uns, man könne das Land westlich
vom Mississippi gut und gern „Neudeutschland“ nennen,
denn über die Hälfte der Farmen, und zwar die besten, sei
schon im Besitze von Deutschen, Scandinaviern und Schweizern
und ihre Zahl wachse von Jahr zu Jahr. Sie kauften die
Amerikaner mehr und mehr aus und blieben dauernd auf den
Farmen. Wenn der Mann nicht sterbe, oder arbeitsunfähig
oder ein Säufer werde, so käme jeder solcher Ansiedler zu
Wohlstand, es sei denn, er lasse sich auf Speculationen ein
oder habe sonst ein besonderes Unglück. Die Verwaltung
ganzer Grafschaften sei schon deutsch. Dieser starke und
wachsende deutsche Zusatz wird dem ganzen Westen Amerikas
einen eigenthümlichen Charakter geben. Der Deutsche gc*
winnt hier jene Selbstständigkeit und jenes Selbstbewusstsein
wieder, das ihm zwei bis drei Jahrhunderte bureaukratischer
Bevormundung „im alten Lande“ fast geraubt haben. Es ist
vollkommen nutzlos, die Auswanderung von drüben durch
unwahre Warnungen hemmen zu wollen. Dagegen giebt es
nur ein wirksames Mittel: wirthschaftliche und politische R^'
formen. Man soll auch nicht vergessen, dass der Staat hier
zwar überall vollständig freie Staatschulen, bis zur Universität
hinauf, schafft, aber jedem Familienvater das Recht lässt, seine
Kinder zu erziehen, wie er will, und ausserdem volle Freiheit
der Kirche gewährt. Wie sieht’s dagegen bei uns aus??
Die Zahl der Farmer vermehrte sich in enormer Weise
von 38.202 im Jahre 1870 auf 138.561 im Jahre 1880, wovon
115.910 von den Eigenthümern, 4.438 von Pächtern und
18.213 von Métayers bewirthschaftet wurden. Davon waren
unter 3 Acres gross 62, von 3—10 Acres 997, von 10—20
Acres 1.658, von 20—50 Acres 9.539, von 50—100 Acres
31.078, von 100—500 Acres 93.823, von 500—1000 Acres
1.169, über 1000 Acres 235.