Full text : Klemens Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe

Spitzen

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Spitzen

Salpetergeist).  Sp.  sulphurico-aethereus  ist  ein
Gemisch  von  1  Teil  Äther  mit  3  Teilen  Alkohol
(Hoffmann’sche  Tropfen).  Spiritus  vini,  Weingeist, ­
  ist  die  stehengebliebene  alte  Firma,  unter
welcher  jetzt  der  reine  Kartoffelsprit  zu  finden
ist.  Ferner  wurden  früher  als  S.  bezeichnet:
sp.  fumans  Beguini  ist  Schwefelammonium  ;  sp.
fumans  Libavii  ist  Zinnbichlorid;  sp.  salis  ist
Salzsäure;  sp.  comu  cervi  ist  Hirschhorngeist,
eine  Lösung  von  unreinem,  brenzlichem,  kohlensaurem ­
  Ammoniak.  —  Zoll:  S.  ohne  Beimischung
(Alkohol,  Weingeist),  ebenso  Destillate  von
Weingeist  über  Pflanzen  zum  Genuß  Nr.  25  b
des  Tarifs.  Präparate  und  Destillate  zum  Medizinalgebrauch, ­
  z.  B.  Ameisen-,  Lavendel-,  Löffelkraut-, ­
  sowie  Kampfer-,  Seifen-Spiritus  u.  s.  w.,
ferner  ätherhaltige  Präparate  Nr.  5  a  des  Tarifs.
Spitzen  (frz.  dentelles,  points,  engl,  laces,
points,  ¡tal.  trine,  merletti,  span,  encojes);  zarte
Gewebe  oder  Geflechte,  welche  auf  einem  durchsichtigen ­
  Grunde  Muster  aus  dichter  liegenden
Fäden  haben.  Sie  bilden  einen  zierlichen,  stets
beliebten  Schmuck  der  weiblichen  Kleidung  und
eine  eigene  Warengattung,  welche  von  einfacheren
bis  zu  den  kunstreichsten  und  sehr  teueren  Arbeiten ­
  geht.  Wann  und  wo  die  Herstellung  von
S.  ihren  Anfang  genommen,  ist  nicht  zu  sagen;
wahrscheinlich  hatte  man  schon  im  Altertum  Ähnliches. ­
  Jedenfalls  ist  das  Verfertigen  derselben
reine  Nadelarbeit,  Stickerei,  gewesen,  was  es
zum  Teil  noch  jetzt  ist.  Dann  kam  das  hiervon
ganz  verschiedene  Klöppeln  hinzu,  dessen  Ursprung ­
  auch  nicht  klar  ist.  In  Sachsen  hielt
man  die  Frau  Barbara  Uttmann,  welche  vor  etwa
300  Jahren  das  Klöppeln  im  Erzgebirge  einführte, ­
  lange  Zeit  auch  für  die  Erfinderin;  es  ist
aber  erwiesen,  daß  zu  jener  Zeit  in  den  Niederlanden ­
  bereits  geklöppelt  wurde.  Allerdings  unterscheiden ­
  sich  die  sächsischen  Vorrichtungen  hierzu
etwas  von  den  niederländischen  und  es  könnte
hiernach  vielleicht  angenommen  werden,  daß  die
Erfindung  doppelt  gemacht  worden  sei.  In  neuerer
Zeit  hat  nun  auch  die  Maschinenarbeit  in  diesem
Zweige  mehr  und  mehr  eingegriffen  und  macht
den  fleißigen  Händen  der  Klöpplerinnen  und
Näherinnen  so  große  Konkurrenz,  daß  dieser  Erwerbszweig ­
  ein  sehr  kümmerlicher  geworden  ist
und  immer  mehr  beschränkt  zu  werden  scheint.
Wenigstens  drei  Viertel  aller  jetzt  marktgängigen
Ware  ist  wohlfeile  Maschinenarbeit.  Obwohl  die
Maschinen  nicht  in  allen  Stücken  die  Handarbeit
ersetzen  können  und  die  Handspitzen  immer  noch
von  Kennern  als  die  allein  „echten“  geschätzt
werden,  so  wird  auf  Maschinen  doch  auch  sehr
schöne,  reich  und  kompliziert  verzierte  Ware
hergestellt  und  zwar  in  bedeutenden  Größen,
als  Vorhänge,  Kleiderstoffe  u.  dgl.  —  In  den
als  das  Musterland  der  Spitzenindustrie  anzusehenden ­
  Niederlanden,  dem  heutigen  Belgien  und  den
angrenzenden  französischen  Distrikten  mit  flandrischer ­
  Bevölkerung,  sind  seit  lange  die  feinsten
und  zartesten  Spitzen  gefertigt  worden  und  werden
gewöhnlich  als  Brabanter  oder  Brüsseler
bezeichnet.  Es  wird  dort  mehr  genäht  als  geklöppelt. ­
  Die  hohe  Qualität  der  dortigen  Ware
beruht  außer  auf  der  an  geerbten  Geschicklichkeit ­
  auch  auf  der  Feinheit  des  dazu  verwendeten
Zwirnes,  die  wieder  eine  Folge  der  Geschicklichkeit ­
  der  dortigen  Spinnerinnen  und  der  Güte
des  belgischen  Flachses  ist.  Es  werden  dort
sehr  häufig  noch  alte,  aus  dem  vorigen  Jahrhundert ­
  stammende  Muster  wiederholt  und  es
haben  sich  fast  in  jeder  Stadt  seit  lange  gewisse

Eigentümlichkeiten  herausgebildet,  an  welchen  der
Kenner  leicht  Brüsseler,  Valencienner,  Mechelne
und  andere  S.  unterscheidet,  wenn  auch  dann
der  Ort  der  Herkunft  nicht  festgestellt  ist,  den
die  Points  de  Bruxelles,  de  Valenciennes  u.  s.
werden  anderwärts  auch  gemacht.  In  Englan
hat  sich  die  aus  den  Niederlanden  eingefubri
Spitzenklöppelei  und  -Näherei  besonders  in  de
Flecken  Honiton  unweit  Exeter  in  Devonshir
erhalten  und  fortgebildet  ;  es  werden  von  do
die  Ausstellungen  mit  schönen  großen  Arbei  e
beschickt.  Die  genähte  Ware  wird  dort  “O®.
auf  Maschinengrund  ausgeführt.  Für  die  F^
kation  der  eigentlichen  Maschinenspitzen  ist  ^
tingham  nebst  Umgegend  der  Hauptsitz,  ^
welchem  die  Ware  massenweise  und  zu  ungla“
lieh  wohlfeilen  Preisen  an  den  Markt  komm  •
In  Frankreich  ist  jetzt  ebenfalls  die  maschincn
mäßige  Spitzenwirkerei  in  Ausübung,  vorzüg  '
auf  schwarze  Blonden,  ebenso  auch  in  Deu
land  seit  einer  Reihe  von  Jahren  z.  B.
Maschinenspitzenfabriken  sind.  —  Je  nach
Material,  woraus  S.  hergestellt  werden,  un
scheiden  sie  sich  in  seidene,  die  speziell  Bio
den  heißen  und  in  Weiß  und  Schwarz
kommen,  leinene,  woraus  alle  echten
baumwollene,  durchgängig  Maschinenspu  ’
und  wollene  (Mohairspitzen),  erst  in  «o"  ,
Zeit  aufgekommen  und  mehr  ein  der  Mode  on
worfener  Artikel.  Nach  der  Herstellung^^
kann  man  unterscheiden:  Handspitzen  0
dentelles),  geklöppelte  (frz.  dentelles  au  for
engl,  pillow-laces,  bone-laces)  und  genähte  t
dentelles  à  l’aiguille,  points,  engl,  needle  ^
point-lace).  Bei  den  letzteren  wird,  wenn  r
Handarbeit,  auch  der  Grund,  das  Netzwerk,
besonderen  Arbeiterinnen  angelegt  und  i,er
der  Nadel  ausgeführt.  Weit  gewöhnlicher  ,
ist  das  Nähen  in  Maschinengrund.  Zu  den  I
spitzen  gehören  auch  die  Blonden  und  die  1  ^
spitzen,  die  mit  krummer  Nadel  gearbeite
den.  Applizierte  S.  sind  solche,  bei
Muster  besonders  geklöppelt  und  dann  auf  je
Maschinengrund  aufgenäht  wird.  Tamboori
S.  sind  solche,  bei  denen  der  Grund  ono  ^
Teil  auch  das  Muster  auf  der  Maschine  ¡^d,
die  Ergänzung  durch  die  Hand  besorgt  gjjg
endlich  reine  Maschinenspitzen
imitation).  Das  Klöppeln  verrichten
Frauen,  welche  für  schwierigere  Sa(men
ungemeinen  Einübung  bedürfen;  die  „deo
keit  wächst  mit  der  Zahl  der  zu  handha
Klöppel,  die  bis  zu  50  und  mehr  B»»’'  ,,-ohl
steigen  kann;  einfachere  Arbeiten  werdcii
auch  von  Kindern  und  alten  Leuten,  die
freien  Stunden  mit  an  den  Klöppelsack  ^.^gr
ausgeführt.  Dieser  besteht  in  Sachsen  au
gepolsterten  Walze,  welche  drehbar  *o  g,
Gestelle  liegt.  Um  sie  ist  der  Klüppelo^^^gjj-gg
schlungen,  ein  rund  herum  gehender
Papier,  in  welchem  von  einem  besonne  jgidustriellen,
  dem  Briefstecher,  das  Muster  m
Stichen  vorgezeichnet  ist.  Die  Klöppel  sin
Stäbchen,  auf  welche  der  zu  verarbeiten  ^j^pg
aufgewickelt  und  durch  eine  ühergeschoben  ßf
geschützt  ist.  Die  Enden  dieser  Fäden  ^gd
den  Anfang  oherhalb  des  Musters  i.gr  de*
auf  der  ersten  Partie  desselben  alle  Lo  ^^jg]g
Papieres  mit  Nadeln  besteckt.  In  “*®?f„_v^.erfeO
werden  nun  die  Fäden  durch  Hin-  cpitz«®
der  Klöppel  eingeflochten  und  dadurch  di  r
mit  ihren  Augen  und  Mustern  erzeugt.  gu9
Maße  wie  die  Arbeit  fortschreitet,  wer
            
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