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Die Grundlagen.
rätig zu halten. Bei schwierigen Fällen ist man fast immer auf teure und langwierige Repa
raturen durch Betriebsfremde angewiesen.
Auch werden an die Maschinen besondere Anforderungen der Betriebssicherheit und
Betriebsbereitschaft gestellt. Betriebssicherheit ist besonders erforderlich in Betrieben,
bei denen eine ungestörte, fortdauernde Leistung lebenswichtig ist; das ist besonders im Berg
bau und in Verkehrsbetrieben, aber auch in chemischen Betrieben, Kraftwerken u. a. der Fall,
wo von einzelnen, oft großen Maschineneinheiten die ganze oder doch ein großer Teil der
Betriebsleistung abhängt. Auch der Werkstättenkran, die Förderbrücke, die Kraftanlage sind
solche Einheiten. Es dürfte jedoch wohl kaum eine Maschine geben, bei der eine unbedingte,
volle Betriebssicherheit vorhanden ist. Als Ausweg wird der Weg der Reserveeinheiten
gewählt. So haben die Kraftwerke regelmäßige Reservegeneratoren, die Bergwerke mehrere
Schächte und Fördermaschinen, die Maschinenfabriken mehrere Kraftquellen (Dampf maschi-
nen, Elektrizität), die Dampferzeugungsanlagen mehrere Pumpen mit verschiedenen Antriebs
arten (Dampf, elektrischer Strom). Will man auf Reserveeinheiten, die Kosten ohne sichtbare
Gegenleistung verursachen, verzichten, so muß die Auswahl der Maschinen verstärkt unter dem
Gesichtspunkte der Betriebssicherheit vor sich gehen, was höhere Kosten verursacht. Ein
anderer Ausweg ist der, daß die Betriebsgesamtleistung in mehrere kleinere Einheiten unter
teilt wird, so daß das Ausfallrisiko abgegrenzt, allerdings der günstigste Wirkungsgrad herab
gesetzt wird. So wird die Reserveeinheit eingespart.
Fast jeder mittlere und größere Betrieb besitzt für die Pflege und Erhaltung der Ma
schinenanlage eine Ausbesserungswerkstatt; in Kleinbetrieben ist zum mindesten ein
besonders erfahrener Reparaturschlosser beschäftigt. Für die Instandhaltung und oft auch die
eigene Anfertigung der Werkzeuge und Vorrichtungen ist die Werkzeugmaoherei vor
handen. Beide Stellen arbeiten Hand in Hand und unabhängig von dem übrigen Betrieb mit
der einzigen Aufgabe, eine jederzeitige volle Leistungsfähigkeit aller maschinellen Einrich
tungen aufrechtzuerhalten. Oft sind besondere Fabrikvorrichtungsabteilungen geschaffen,
welchen die Überwachung der für den Betriebsablauf notwendigen Einrichtungen obliegt. Von
hier aus werden dann auch die etwa neu zu bestellenden maschinellen Anlagen und Werkzeuge
aufgegeben, sofern nicht die Betriebsleitung oder die Unternehmungsleitung selbst sich die
Anschaffung neuer Maschinen Vorbehalten hat. In chemischen Betrieben wie überhaupt in
Anlagen, denen ein zusammenhängender Arbeitsverlauf zugrunde liegt — etwa Zellstoff
fabriken, Kohlenzechen, Öl- oder Margarinefabriken — wird meist ein Stamm von leistungs
fähigen Facharbeitern, die beim Bau der Anlagen mitgewirkt haben, im Werk zurückgehalten,
um bei späteren Instandhaltungs- und Umstellungsarbeiten verfügbar zu sein. Die Verfolgung
des technischen Fortschritts auf allen Gebieten durch Einsicht in Fachbücher und Fachzeit
schriften sowie die Vornahme eigener Versuche ist bei allen diesen Arbeiten unerläßlich.
Der Ankauf technischer Einrichtungen geht dabei oft unabhängig von der Einkaufs
abteilung des Betriebes vor sich; die Entscheidung über den Ankauf der Arbeits- und Kraft
maschinen fällt meist der Techniker, da nur er die notwendige Schulung und Erfahrung in
dieser Frage besitzt und es gerade hierbei oft weniger auf den Preis als auf die Vollkommenheit
der neuen Einrichtung ankommt. Daß auch hier der Kaufmann über die Abfassung der Be
stellung, der Finanzmann über die Geldbeschaffung und die Unternehmungsleitung, über die
Wirtschaftlichkeit und Zweckmäßigkeit der Anschaffung überhaupt gefragt werden muß, ist
selbstverständlich.
Aber die Auswahl dieser Möglichkeiten und die Überwachung der Anlagen hat der Tech
niker inne, indem er die Wirkungsgrade der Maschinen und Apparate vergleicht, neue Ver
suche austellt, Verbesserungen anbringt, die Arbeitsweisen überprüft, neue Werkzeuge und
Vorrichtungen einführt, Umstellungen vornimmt, die Entwicklung der Technik auf den
jeweiligen Gebieten verfolgt, kurz: den technischen Betrieb in allen seinen Einzelheiten jeweils
auf der Höhe der Zeit hält. Unterstützt wird der Techniker bei seinen Arbeiten durch die
Normung, die heute alle Gebiete der technischen Stoffe, der Maschinen und Apparate umfaßt
und vorwiegend die Abmessungen und Stoffeigenschaften der Einzel- und Ansehlußteile, aber
auch Berechnungs- und Prüfungsunterlagen, Versuche u. a. betrifft.
Um die Überwachung der Leistungsfähigkeit und der Verwendbarkeit sowie
der Erneuerungs- und Ersatzbedürftigkeit zu ermöglichen, sind zunächst genaue
Aufschreibungen mit allen Einzelheiten über die vorhandenen Maschinen not
wendig. Diese werden meist auf sog. Maschinenkarten vorgenommen, die vom
AWE. (Ausschuß für wirtschaftliche Fertigung) entworfen und weiterentwickelt
worden sind. Sie dienen vor allem auch der Arbeitsführung, da nur so ein Über
blick über die Besetzung der einzelnen Maschinen zu erlangen ist. Neben den
kennzeichnenden Abmessungen enthält die Vorderseite der Karte meist eine Auf
stellung der Zubehör- und Ersatzteile, Angaben über Baujahr, Lieferfirma, Stand-