28
Habersche Verfahren, das mit verhältnismäßig geringen Kosten vom
Ammoniak zum Salpeter zu gelangen erlaubt, wird, soweit man zur
zeit urteilen kann, den deutschen Zukunftsmarkt beherrschen. Bei dieser
Erwartung sehe ich auf Grund der bisher vorliegenden Mitteilungen
es als wahrscheinlich an, daß nennenswerte Schwierigkeiten für das
Verfahren nach Haber nicht mehr auftreten. Sie schließt übrigens
durchaus nicht aus, daß man die vorhandenen Einrichtungen
für die Herstellung von Kalkstickstoff bis auf weiteres so weit wie
möglich ausnutzt und auch, wie z. B. oben vorgeschlagen, den Absatz
dieses Düngemittels fördert. Mit der Zeit wird aber an einen schonen
den Übergang zur Herstellung nach Haber auch hier zu denken sein,
falls nicht diese Übergangsfrist es dem Kalkstickstoff ermöglicht hat,
billiger, und noch unter den Kosten des Haberschen Verfahrens zu ar
beiten.
Jetzt einer alten und berechtigten Industrie durch ein neues Pro
dukt Schwierigkeiten zu machen, um einem für die weitere Zukunft doch
wahrscheinlich, oder sagen wir, möglicherweise, nicht konkurrenzfähigen
Düngemittel die Lebensdauer etwas zu verlängern, würde nicht be
rechtigt sein. Daher dürften auch die oben für Kalkstickstoff und
schwefelsaures Ammoniak von mir vorgeschlagenen festen Monopol
preise, bei denen das Ammoniak absichtlich gegenüber dem Kalkstick
stoff benachteiligt ist, um dessen Absatz sicherzustellen, nicht dazu benutzt
werden, dem Kalkstickstoff in Form eines Mischdüngers zum leichten
Wettbewerb mit dem Amoniaksuperphosphat zu verhelfen. Für
solche Zwecke müßte man unbedingt von einer Preisbegünstigung des
Kalkstickstoffs absehen, und wenn diese fortfällt, so ist die Erzeugung
eines zum Wettbewerb niit Ammoniaksuperphosphat fähigen Misch
düngers wenigstens bei den augenblicklich anzunehmenden Produktions
kosten wohl ausgeschlossen. Es würde aber voraussichtlich schon ge
nügen, Kalkstickstoff, der einer fabrikmäßigen Mischung mit anderen
Düngemitteln dienen soll oder gedient hat, nur zu gleichem Preise wie
schwefelsaures Animoniak für das Kiloprozent Stickstoff abzugeben.
Doch könnte man auch andere Maßregeln anwenden. —
Viele Fragen wären noch weiter zu berühren, würden aber aus
diesem bescheidenen Heftchen eine umfangreiche Denkschrift machen.
Vielleicht ergibt sich für mich gelegentlich noch die Möglichkeit, den einen
oder anderen Punkt weiter zu behandeln. Ich glaube aber mit dem