Full text: Theoretische Sozialökonomie

252 Kap. VIL Die Bodenrente und die Preise der Naturmaterialien, 
d.h. je größer die Beschränkung der Nachfrage ist, die mit einer be- 
stimmten Preissteigerung erreicht werden kann. Nun gehört die Nach- 
frage nach Brotgetreide bekanntlich zu den am wenigsten elastischen 
Zweigen der Nachfrage. Um eine notwendige Beschränkung der Nach- 
frage nach dem Produkt herbeizuführen, ist deshalb eine starke Preis- 
steigerung der Bodennutzung erforderlich. Die allgemeinste Ursache zur 
Steigerung der Nachfrage nach Brotgetreide ist das Wachsen der Be- 
völkerung. Aber auch der Konsum pro Kopf der Bevölkerung befindet 
sich seit einem Jahrhundert in einer kräftigen Entwicklung. Diese 
Tendenzen würden offenbar eine enorme, dieselben stark begrenzende 
Preissteigerung des Brotgetreides und der Bodennutzung bewirkt haben, 
wenn nicht die zweite und dritte Gegenwirkung der Preissteigerung 
eine so große Bedeutung gewonnen hätten. 
Die zweite Gegenwirkung gegen eine Steigerung des Preises 
der Bodennutzung liegt in einem größeren Aufwand von Kapital und 
Arbeit auf dem gegebenen Boden. Dadurch wird nämlich eine Ver- 
mehrung der Produktion ohne Steigerung des Bedarfs an Bodennutzung 
ermöglicht, und folglich die Preissteigerung der Bodennutzung gehemmt. 
Für den einzelnen Landwirt, der eben vor der Frage steht, ob er ein 
größeres Produkt durch Erweiterung seines Bodens (sei es durch Pacht 
oder Kauf) oder durch Anwendung von mehr Kapital und Arbeit auf 
seinem alten Boden gewinnen soll, wird eine Steigerung der Bodenrente 
den Ausschlag zugunsten der letzten Methode geben. 
Die Bedingungen, unter denen eine Steigerung der Produkten- 
menge durch größeren Aufwand von Kapital und Arbeit auf der gleichen 
Fläche möglich ist, bilden offenbar für die Preisbildung der Boden- 
nutzung einen wichtigen mitbestimmenden Faktor. Für die Theorie 
der Bodenrente ist also das nähere Studium dieser Bedingungen von 
wesentlicher Bedeutung. 
Wenn man mehr Kapital und Arbeit auf ein und dasselbe Stück 
Boden verwendet, wird man in der Regel finden, daß die Mehrprodukte, 
die durch gleiche Zuschüsse von Kapital und Arbeit nacheinander ge- 
wonnen werden können, immer kleiner werden. Obwohl diese Regel, 
die gewöhnlich als das „Gesetz des abnehmenden Bodenertrags“ 
bezeichnet wird, als „wichtigstes Gesetz der ökonomischen Wissen- 
schaft‘“!) ausgegeben worden ist, scheint man es meistens nicht für 
nötig erachtet zu haben, ihr eine genügend scharfe wissenschaftliche 
Formulierung zu geben. 
Zunächst müssen wir feststellen, was wir unter einem bestimmten 
Aufwand von Kapital und Arbeit zu verstehen haben. Wir können da- 
mit eine bestimmte Menge Kapitaldisposition zusammen mit einer be- 
ı) Stuart Mill: Princ., Book I, Ch. XIL $ 2.
	        
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