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Uniformen und Decken und miserables Schuhzeug; die
Nahrungsmittel waren so minderwertig, daß sie Fieber-
erscheinungen und häufig Todesfälle herbeiführten 3 sie
schmuggelten mit Hilfe der Bestechung abgenutzte, morsche
Schiffe für Soldatentransporte ein. Es gab keine Gewinn-
möglichkeit, die nicht auf die betrügerischste Weise aus-
genutzt wäre. Durch eine Reihe unehrlicher Maßnahmen
plünderten die Banken Staatskasse und Volk und entzogen
ihre Banknoten der Besteuerung. Die Kaufleute betrogen
die Regierung um viele Millionen, indem sie die Zoll-
beamten bestachen, eine geringere Wertangabe der Ein-
fuhrsendungen gutzuheißen!). Der Zollschwindel war so
allgemein bekannt, daß der Kongreß durch die öffentliche
Meinung gezwungen wurde, eine Untersuchungskommission
einzusetzen. Der Vorsitzende dieser Kommission, der Abge-
ordnete C. H. Van Wyck (New York), sagte, nachdem er die
Untersuchungsbefunde in einer Rede am 23. Februar 1863
zusammengefaßt hatte, voll Erbitterung: „Der hungernde,
mittellose Mann, der ein Brot stiehlt, um sein Leben zu
retten, wird ins Gefängnis gesteckt; das Heer von groß-
spurigen Wegelagerern aber, die dem Volke Zehntausende
stehlen, gehen ungestraft aus und dürfen die Früchte
ihrer Verbrechen genießen. So ist es unter früheren Re-
gierungen gegangen, so ist es leider auch unter dieser“ 2).
Das Bundesheer hatte in einem verzweifelten Kriege
nicht nur einen offenen Feind zu bekämpfen, sondern war
gleichzeitig die wehrlose Zielscheibe für die Glücksjäger aus
ihrem eigenen Lager, welche hinterlistig Unmengen von
ihnen hinmordeten — nicht aus reiner Mordlust freilich,
sondern weil die Gewinnsucht alle ehrenhaften und mensch.
lichen Instinkte in ihnen tötete und sie gegen alle Begleit-
die Regierung, weil sie ausreichend Waffen beschaffen mußte, durchschnittlich un-
zefähr 22 Dollar pro Flinte bezahlt hat, während sie in unseren nationalen Werkstätten
für die Hälfte des Geldes hätten hergestellt werden können.“ — Anhang zum
Tongressional Globe, 37. Congress, Third Session, 186z—1863, Teil 2, S. 136.
Genauere Angaben finden sich in den folgenden Kapiteln,
1) Der Staatssekretär des Reichsschatzamtes, Salmon P, Chase, schrieb in seinem
Bericht von 1862: Es ist bekannt, daß beim Zollamt täglich betrügerische Zoll-
Jeklarationen vorgelegt wurden.
?) Anhang zum Congressional Globe, 37. Congress, Third Session, 1862—1863,
Teil 2, 5. 118.