4. Kap. Die nichtfreie Preisbildung.
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Von den übertriebenen Preisen muß man die Nothpreise unterscheiden,
dieselben stellen sich da ein* wo eine Gattung nothwendiger Gegenstände selten
îvird. Solche Preise können bisweilen Marktpreise sein, ohne daß sie des
wegen gerechtfertigt wären; denn das Bestehen eines Marktes erweist sich nicht
unter allen Umständen als eine heilsame Einrichtung, es können sich somit in
Seiten des Mangels auch ganz übertrieben hohe Marktpreise bilden.
Die Affectionspreise endlich sind, so hoch sie auch steigen können,
deshalb nicht nothwendigerweise ungerechte. Wenn eine größere Anzahl von
Menschen gewisse Objecte hochschätzt, die nicht den Gegenstand eines allge
meinem Begehrens bilden, so entwickeln Pch die Preise in ähnlicher Weise
Mie die Marktpreise; nur sind dieselben ungewöhnlich hoch. Das ist z. B.
à Handel mit Kunstwerken und Antiquitäten, mit alten Münzen, Kupfer
nen und altem Porzellan der Fall. Man kann also nicht behaupten, daß jenes
"0 Zoll hohe und 30 Zoll breite und in etwa zwei bis drei Monaten gemalte
kisterwerk Meissoniers, welches von seinem Eigenthümer um 500000 Frcs.
Erkauft und dann um 850000 weiter verkauft wurde, zu theuer bezahlt
worden sei.
Es wurde schon erwähnt, daß der Preis gewisser Gegenstände in frühern
Zeiten gewohnheitsrechtlich oder gesetzlich festgesetzt, genau einzuhaltende Tarife
^gestellt und Zuwiderhandlungen bestraft wurden. Noch heutzutage finden
'îch Anklänge an die vielfach dadurch erreichte Stabilität der Preise vor.
2n stillen, weiter vom großen Berkehr gelegenen Orten werden die Detail-
ŗeise noch immer durch althergebrachte Gewohnheit geregelt und von Zeit zu
à mit Rücksicht auf die Veränderungen hinsichtlich der Herstellungskosten
ezw. ber Consumtionsverhältnisse im Geiste der Billigkeit abgeändert. Das
^ Ģehcn solcher Preisverhältniffe gewährt eine beträchtliche Ersparniß an Zeit
n Dtühe und setzt der Unsicherheit bei der Berechnung der Ausgaben sowie
Ct Unredlichkeit gewisse Schranken.
ļ. 2a es kommen sogar noch gewisse obrigkeitlich vorgeschriebene Preisregu-
^Mgkll vor. So wird noch jetzt, wenn gewissen Leuten die ausschließliche
Toi* 616 ^eil der Beamten, der Lehrer, der Arbeiterschaft und der Militärpersonen in
/»_ C " Vereinen organisât ist. Vgl. bezüglich der Geschichte der Consumvereine
Pņŗ. u ^ ert -Valleroux, Les associations coopératives en France et á 1 étranger.
j( r¡ * *8^4; bezüglich der gegenwärtigen Anzahl derselben und ihrer Lage Hans
sociétés coopératives en Allemagne, in der ,Revue déconomie politique
onftļ f aris 1892), 1137—1153. Was die Consumvereine zu Gunsten der Consumenten
Qetijļ C en ' Bestehen angemessener Preisverhältnisse, suchen jetzt, wenn auch noch in
dun« Umfange, die Producenten, und zwar besonders die Landwirte, durch Grün-
rnöqe, l ’° n Verkaufsgenossenschaften, Syndikaten, oder wie diese Vereine sonst heißen
Und iU ^reichen. Dieselben verfolgen den Zweck, den Zwischenhandel zu beschränken
glichst direct an die Consumenten zu verkaufen.