fullscreen: Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

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Erstes Buch. Die Begründer. 
können, daß er Krisen überhaupt leugnet. Im Grunde konnte er gar 
nicht anders, als ihr Vorhandensein zuzugeben; was ihn aber am meisten 
beschäftigt, ist, jede der Ausdehnung der Industrie ungünstige Schluß 
folgerung von vornherein abzuweisen. 
Er hält die Krisen für eine im wesentlichen „vorübergehende“ 1 ) 
Erscheinung; er betont, daß „die Freiheit der Industrie genügen würde, 
sie unmöglich zu machen“. Ihm liegt hauptsächlich daran, „die grund 
losen Befürchtungen“ derer zu zerstreuen, die fürchten, daß nicht alle 
Güter verbraucht werden können, wie z. B. die eines Malthus, der die 
Erhaltung der reichen Müßiggänger als Sicherheitsventil gegen die Über 
produktion 2 ) für wünschenswert erachtet, die eines Sismondi, der flehent 
lich um Verlangsamung des Fortschrittes, um Verhinderung der Er 
findungen bittet. Er entrüstet sich über solche Worte, da bei den blühend 
sten Völkern „sieben Achtel der Bevölkerung eine Unmenge von Gütern 
entbehren muß, die jede, ich will nicht einmal sagen wohlhabende, sondern 
ganz bescheidene Haushaltung für nötig erachtet“ 3 ). Er wird nicht müde, 
zu betonen und zu wiederholen, daß der Fehler nicht darin liegt, daß 
zu viel produziert wird, sondern darin, daß nicht das produziert wird, 
was gebraucht wird 4 ). Produzieren und nochmals produzieren: darin 
liegt alles, und ganz natürlich werden gerade die, die einen Augenblick 
unter dem Preissturz leiden müssen, die ersten sein, die unter Ver 
billigung der Gegenstände die Wohltaten der Ausdehnung der Industrie 
spüren. $ 
In dieser eine kurze Zeit hindurch berühmten Polemik zwischen 
Say, Malthus, Sismondi und Ricakdo (der hierin der Meinung Sa"? s 
beitrat) darf man keine Aufklärung über die Krisen selbst suchen 
man würde keine finden, — sondern den Ausdruck eines im Grunde 
richtigen Gefühls, dem Say leider eine ungenügende wissenschaftliche 
Form gab. 
Die Rolle J.-B. Say’s in der Geschichte der wirtschaftlichen Lehren 
ist durchaus nicht unbedeutend. Die fremden Nationalökonomen er 
kennen dies nicht immer an. Besonders Dühring ist, trotz seines gewöhn 
lichen Scharfsinns, höchst ungerecht, wenn er von der „Verwässerung 8 ' 
arbeit“ Say’s spricht 6 ). Sicherlich ist Say in seinem Bestreben nach 
übrigens von einer Ausgabe zur anderen, und im Grunde genommen ist nichts nn- 
bestimmter, als die Anschauung Say’s über diesen Gegenstand. Die Formel: 
Zeugnisse kaufen sich mit Erzeugnissen“ ist so allgemein, daß sie alles, was man wut 
bedeuten kann — oder überhaupt nichts, denn ist das Geld nicht auch ein Erzeugni s ' 
1 ) Briefe an Malthus, CEuvres diverses, S. 466. 
’) Malthus, Principles of political Economy; II, Kap. I, Abs. IX. 
3 ) Balance des consommations avec les. productions, S. 252. 
*) Ebenda, S. 251. 
6 ) Dühbing, Kritische Geschichte der Nationalökonomie und 
-Sozialismus, 2. Ausg., 1875, S. 165. Dagegen wird man mit Vorteil die sehr inter-
	        
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