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III. Buch. Die Vertheilung der Güter.
Wird für die ärmern Bevölkerungsschichten keine genügende Sorge ge
tragen, so bedeutet die Entwicklung der Civilisation nur für eine Minderzah
einen Fortschritt, für die Mehrheit der Menschen hingegen eine traurķ
Verschlechterung ihrer Lage, und treten jene beklagenswerthen Zustände ein,
von denen die Geschichtschreiber fast aller Epochen nur zu viel Schlimme
zu berichten haben. Doch lassen sich den Fällen, in welchen dem Reichthu ^
und der Bildung, ja einer maßlosen Ueberfeinerung der Reichen die un
würdige Abhängigkeit und vielfach das wirkliche Elend zahlreicher -sklave^
und Leibeigener gegenüberstand, auch lichte Bilder freundlicher Fürsorge ^
Reichen und Mächtigen für ihre Untergebenen und väterlicher Sorgfalt soga
von seiten derjenigen Staaten entgegenstellen, in welchen die Hähern K lasst
allein politisch berechtigt oder wenigstens, wenn auch nicht allein berechn^
so doch ausschließlich maßgebend waren. Mochte auch die Lage der
hängigen und der wirtschaftlich Schwachen überhaupt im alten römischen M
reiche, solange die Mehrheit seiner Bevölkerung noch im Heidenthum le ^
vielfach sehr traurig sein; mochte es auch den niedern Ständen in der
des frühern Mittelalters nicht viel besser gehen; mochten auch die Sklaven l
den englischen, den spanischen, den holländischen und in andern Kolonien *
16., 17. und 18. Jahrhunderts in der elendesten Lage sich befinden und
russischen Leibeigenen noch in unserem Jahrhundert bedauernswerthe Gşşşi
sein: so darf man deshalb doch nicht glauben, daß die untern Volksklassen
der Regel dem Elende preisgegeben waren. Die Zustände des spätern 91 1
alters, die Zeiten Heinrichs IV. und Ludwigs XIII. von Frankreich, H ö
Theresias und Josephs II., die für das Gemeinwohl getroffenen Mäßreg^
in der alten preußischen Monarchie und in Bayern sowie auch die in .
Tagen in vielen Ländern so gewaltig entwickelte staatliche Fürsorge und c '^
die gegenwärtig weit eifriger, als man oft glaubt, geübte, so heilsam mirle"
Wohlfahrtsthätigkeit sehr vieler Unternehmer, von der in diesem Vuche ^
manche glänzende Beispiele erwähnt werden konnten und sogleich noch nH '
die Rede sein wird, beweisen zur Genüge, daß die Fortschritte der Civilisa ^
mit der Zunahme des Wohlbefindens der Volksmassen sehr wohl vereinbar st
Viertens endlich sollen die Reichen und die eigentlich Armen, d. h-
jenigen, die sich das genügende Auskommen durch ihre Arbeit entweder
nicht oder nur zum Theil verschaffen können, untereinander in
Beziehungen treten, deren Ausdehnung sich nach dem Maße und dem Ums
der Vermögensungleichheiten zu richten hat.
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eine gewisse Bildung nachweist, sowie jedem, der eine directe Steuerleistung zu
hat, noch eine weitere Stimme einräumt, und vielen Wählern zwei bezw. drei w
zuspricht, hat sehr viel für sich und ist ganz geeignet, gewissen Grotzstaaten a
bild empfohlen zu werden.