Full text: Zur Entwicklung der Baumwollindustrie in Deutschland

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mit fremdem Kapital gegründet worden seien. 3. Es sei keine Aus 
sicht vorhanden, daß etwa die englischen Spinner die höheren Zölle 
auf Feingarne tragen würden, da wir eben von England abhängig 
seien und die inländische Produktion von Feingarnen gering sei. 
4. Höhere Zölle bedeuteten eine Erschwerung der Konkurrenzfähigkeit 
der deutschen Baumwollweberei auf fremden Märkten, da ihre wich 
tigsten fremden Konkurrenten gar keine oder nur geringe Garnzölle 
zu leisten hätten und außerdem die Baumwollindustrie auf diesen 
Märkten immer mehr erstarkte. 5. Die Zölle schützten uns auch 
nicht vor Exportaktionen, wie sie z. B. die österreichischen Spinner 
1897 ins Werk gesetzt hätten 1 ). — Ferner wurde in der Reichstags 
kommission behauptet, die deutsche Baumwollspinnerei bedürfe 6. 
wegen ihrer Prosperität der von der Regierung vorgeschlagenen Zölle 
nicht. Schließlich wurde auch 7. das Sinken der Baumwollpreise für 
die Herabsetzung der Garnzölle geltend gemacht. 
Wenn wir nun aus der Reihe der uns zu Gebote stehenden 
Handelskammer-Berichte, die sich mehr oder weniger entrüstet zu 
den Kommissionsbeschlüssen äußern, hauptsächlich einen auswählen, 
um an dessen Hand die Garnzollfrage zu beleuchten, so geschieht 
das, weil dieser, nämlich der Jahresbericht der Handelskammer zu 
M.-Gladbach für 1902, S. 12 bis 14, eine maßvolle Haltung bewahrt. 
Es kommt aber viel darauf an, einen möglichst objektiven Bericht 
als Grundlage zu wählen, sind doch die Gegensätze zwischen Spinnern 
und Webern noch nie so hart aufeinander geprallt, als gerade beim 
Kampf um den jüngsten Zolltarif. Die Handelskammer zu Bayreuth 
macht der Kommission geradezu den Vorwurf, daß sie für die Weberei 
Vorteile auf Kosten der Spinner erstrebe 1 2 ). Indem wir uns an den 
erwähnten Bericht anlehnen, sind wir uns übrigens wohlbewußt, daß 
auch der objektivste Handelskammerbericht auf den subjektiven Be 
richten der Industriellen beruht, die eben Berichte einsenden. 
Gehen wir nunmehr auf die einzelnen „Anklagepunkte“ ein, so 
zeigt sich zunächst einmal, daß der erste derselben in sich selbst zu 
sammenfällt, denn wir wissen aus dem früher Gesagten, daß es nur 
die Schuld der schwankenden Regierungspolitik war, wenn die Fein- 
spinnerei sich nicht weiter entwickelte. Der Spinnerei kann daraus 
unmöglich ein Vorwurf gemacht werden. 
1) Das österreichische Spinnerkartell gewährte 1897, um den heimischen Markt zu 
entlasten, seinen Mitgliedern Exportprämien, so daß Deutschland mit österreichischen Grob 
garnen überschwemmt wurde. 
2) Jahresbericht der Handels- und Gew.-K. f. Oberfranken pro 1902, S. 53.
	        
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