Full text : Grundsätze der Volkswirtschaftslehre

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III.  Buch.  Die  Verkeilung  der  Güter.

in  lobendem  Sinne  gebraucht;  die  wirtschaftliche  und  sociale  Ungeregeltheit
bringt  aber  große  Mißstande  mit  sich,  wenn  man  auch  nicht  alle  nur  erdenklichen ­
  Ausschreitungen  der  Habsucht  als  nothwendig  und  wesentlich  damit
verbundene  Erscheinungen  betrachten  darf.  Solche  Ausschreitungen  und  ihre
Übeln  Folgen  sind  allerdings  oftmals  die  Wirkungen  des  hier  in  Frage  stehenden
Systems,  mit  denen  wir  uns  alsbald  zu  beschäftigen  haben  werden;  aber  sie
kommen  auch  unter  der  Herrschaft  der  andern  socialen  Organisationsformen
vor  und  zeigen  sich  unter  der  Herrschaft  der  Unfreiheit  besonders  häufig.
Indessen  wiffen  auch  die  Chroniken  des  Mittelalters  von  den  excoriatores
(den  Schindern)  rusticorum  zu  berichten,  unter  welchen  ausgeartete  Feudalherren ­
  zu  verstehen  sind.  Auch  manche  große  deutsche  Handelsgesellschaften  des
ausgehenden  Mittelalters  sowie  mehrere  Cartelle  der  Vereinigten  Staaten  haben
sich  einer  sehr  Übeln  Handlungsweise  schuldig  gemacht,  und  so  manche  staatliche
Functionäre  aller  Zeiten  haben  sich  von  solcher  ebenfalls  nicht  frei  gehalten.
Will  man  sich  ein  richtiges  Urtheil  über  den  Zustand  der  Ungeregeltheit
der  socialen  und  wirtschaftlichen  Beziehungen  bilden,  so  muß  man  vor  allen
Dingen  unterscheiden,  ob  die  meisten  derartigen  Beziehungen  oder
nur  ein  Theil  derselben  der  Regelung  entbehren.  Es  hätte
gewiß  etwas  sehr  Beengendes,  wenn  alles  genau  regulirt  und  für  die  Energie
der  Einzelnen  gar  kein  Spielraum  offen  gelassen  wäre.  In  dem  vom  Güteraustausche ­
  handelnden  II.  Buche  haben  wir  bereits  auf  die  wohlthätigen  Wirkungen ­
  eines  thatsächlich  freien  Marktes  hingewiesen,  auf  dem  man  die  Preise
durch  ein  unbehindertes  Mitwerben  regelt,  namentlich  weil  dadurch  die  untüchtigen ­
  Producenten  beseitigt  werden  und  eine  einsichtslose  Consumtion  aufhört. ­
  Deshalb  darf  man  sich  aber  nicht  einbilden,  daß  alle  wirtschaftlichen
Beziehungen  den  Charakter  an  sich  tragen,  welcher  den  auf  einem  solchen
Markte  bewerkstelligten  Käufen  und  Verkäufen  eigenthümlich  ist.  Es  ist  in
der  That  schwer  begreiflich,  daß  sich  ernste  Vertreter  der  Wissenschaft  in  dieser
Beziehung  in  einem  so  verhängnißvollen  Irrthum  befinden  konnten,  welcher
die  verderblichsten,  das  Geschick  vieler  Tausende  von  Menschen  berührenden
Folgen  hatte.
Die  während  der  ersten  Hälfte  des  19.  Jahrhunderts  in  England  herrschenden ­
  Verhältnisse  haben  in  dieser  Hinsicht  ein  wahrhaft  klassisches  Beispiel  geliefert. ­
  Die  in  den  Kohlenminen,  den  Woll-  und  Banmwollfabriken  dieses
Landes  beschäftigten  Arbeiter  litten  unter  den  Regierungen  Georgs  IV.  und
Wilhelms  IV.  sowie  während  der  ersten  Regierungsjahre  der  Königin  Victoria
unter  den  folgenden  Uebelständen:
1.  Sie  hatten  ungenügende  Löhne.  Die  Unternehmer  suchten  dieselben
auf  ein  Minimum  herabzudrücken  und  sahen  ihr  inhumanes  Bestreben  von
Erfolg  gekrönt,  weil  sich  die  Nachfrage  nach  Arbeit  seit  der  Einführung  des
            
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