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III. Buch. Die Verkeilung der Güter.
Familienleben wäre die Durchführung der socialistischen Ideen ein furchtbarer
Schlag. Der Staat würde an Stelle der Eltern treten und die Erziehung der
Kinder in seine Hand nehmen; denn das Familieneigenthum müßte gewaltig
zusammenschrumpfen, wenn man den Einzelnen die Productionsmittel aus der
Hand nähme, um sie in die Hände des Staates zu legen, wobei dann die
zahllosen Beamten und Aufseher das Fett von der Suppe abschöpfen würden.
Die schließlichen Erfolge des Socialismus würden daher den unmittelbaren
Resultaten des Communismus nicht sehr unähnlich sein und auf nichts anderes
hinauslaufen als auf die Zerstörung der Altäre, des Vaterlandes und des
häuslichen Herdes.
Man kann sich demnach nicht darüber wundern, daß die verschiedenen
großen christlichen Glaubensgemeinschaften, vor allen aber die katholische Kirche,
die Lehre von der Ungleichheit der Menschen und von der Unantastbarkeit des
Privateigenthums, und zwar nicht nur des dem menschlichen Verbrauche und
Genusie dienenden, sondern auch des zu productiven Zwecken verwendeten, auf
das entschiedenste festgehalten haben.
Auch Papst Leo XIII., der weise Lehrer der Gläubigen, hat sich zwar
gegen den Mißbrauch der irdischen Güter seitens ihrer Eigenthümer sowie
gegen die Hartherzigkeit und die Ungerechtigkeit gewisser Menschen, wo immer
diese Laster zu Tage treten mögen, öffentlich und amtlich auf das entschiedenste
ausgesprochen, aber dessenungeachtet, im Einklang mit den Lehren, die die
Lehrer der Kirche — die großen Väter der ersten christlichen Jahrhunderte, ein
hl. Thomas von Aquino und seine Schüler, die großen Theologen der Ge
sellschaft Jesu im 16. und 17. Jahrhundert und andere — vorgetragen haben,
den Socialismus rückhaltlos verworfen und die Heiligkeit des Privateigen
thums von neuem in der feierlichsten Weise proclamirt. In der Encyklika
Quod Apostolici muneris vom 28. December 1878 spricht er sich folgendel
maßen aus: ,Jhr könnt Euch leicht denken, Ehrwürdige Brüder, daß Wir von
jener Secte von Menschen reden, die mit verschiedenen und geradezu bar
barischen Namen Socialisten, Communisten, Nihilisten benannt werden, über die
ganze Welt verbreitet und durch ein gottloses Bündniß aufs engste miteinander
verbunden . . . voll Selbstvertrauen ans Tageslicht treten und ihren längst
gehegten Plan, die Grundlagen jedweder bürgerlichen Gesellschaft umzustürzen,
auszuführen trachten/ Dann heißt es weiter: .Jedoch lehrt das Evangelium,
daß die Ungleichheit des Rechtes und der Gewalt vom Urheber der Natur
selbst herrührt', und wieder an einer andern Stelle: .Die Kirche, die unter
den an Kräften des Körpers und des Geistes verschiedenen Menschen die
Ungleichheit des Güterbesitzes als nothwendig anerkennt, ge
bietet, daß das aus der Natur selbst hervorgehende Recht des Eigenthums
und Besitzes für jedermann unantastbar und unverletzlich sei?