Full text: Grundsätze der Volkswirtschaftslehre

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IV. Buch. Nachträge. 
was die Menschen wirklich thun und wie sie Handelns und: ,Diejenigen sind am 
besten dazu befähigt, in wirtschaftlichen und in politischen Dingen zu urtheilen, 
welche den Entwicklungsproceß derselben am aufmerksamsten verfolgen und am 
besten kennen? Endlich hat die historische Schule den richtigen Weg auch 
in der Hinsicht beschritten, daß sie zur Anschauung von der Einheit der 
Wissenschaften zurückkehrte und sich gegen die Scheidung der politischen Oeko- 
nomik von der Ethik erklärte. Aber trotz alledem hat ein Theil dieser Schllte 
Irrwege eingeschlagen, nicht sowohl insoweit die Lehren der besondern Ethik in 
Betracht kommen, als in den auf die allgemeine Ethik bezüglichen Fragen. 
Soweit sie die Existenz eines unabänderlichen Naturgesetzes läugnete, von der 
göttlichen Weltregierung absah und sämtliche Moralprincipien als historische 
Kategorien auffaßte, verfiel sie in wahrhaft fundamentale Irrthümer. 
Diese Methode, die ökonomische Wissenschaft mehr als eine Art von be 
schreibender Thätigkeit denn als eine eigentliche Wissenschaft zu behandeln, zu 
deren Begriff es doch offenbar gehört, daß man leitende Principien aufstellt, 
ist indessen nicht so leicht, als es den Anschein hat. Wissen wir doch von der 
geschichtlichen Entwicklung des Großtheils des Menschengeschlechts eigentlich nur 
wenig, und die Entwicklung vieler Stämme und Völker, insbesondere solcher 
des grauen Alterthums wie auch mancher uncivilisirten Horden und Völker 
schaften der Jetztzeit, wird sogar niemals aufzuhellen sein. Andererseits 
aber häufen sich bei manchen Nationen und Zeiten die bekannten Thatsachen 
derartig, daß sie gar nicht zu bewältigen sind. Wenn jemand glaubt, die 
Thatsachen sprächen an sich, so beweist er dadurch, daß er niemals den Ver 
such gemacht hat, die Thatsachen zu Rathe zu ziehen. Denn will man dies 
letztere, so muß man genügend darüber unterrichtet sein, auf welche That 
sachen man seine Aufmerksamkeit zu richten, wie man Ausnahmsfälle von 
typischen Erscheinungen zu sondern, das Wichtige vom Unwichtigen-zu unter 
scheiden und die Bedeutung der ausgewählten Thatsachen zu würdigen hat. 
Das zu thun, ist aber niemand im stände, der nicht eine gewisse philosophische 
und ethische Bildung besitzt. Ja es ist zu diesem Behufe noch mehr erforder 
lich. Wenn man daran festhält, daß wir uns nicht mit einer eingebildeten, 
sondern mit der wirklichen Welt zu beschäftigen haben, so leuchtet es ein, daß 
man das complicirte Drama der geschichtlichen Entwicklung, wie sie sich that 
sächlich vollzogen hat, nicht richtig verstehen und beurtheilen kann, wenn man 
die Dinge nicht im Lichte der göttlichen Offenbarung betrachtet. Tie groß 
artige Thatsache dieser Offenbarung kann unmöglich gelüugnet werden. Daher 
ist es sicherlich eine durchaus falsche Methode, die Augen vor den Wahr 
heiten zu verschließen, die uns durch dieselbe auf dem Gebiete einer Wissen- 
schaft enthüllt worden sind, für welche das uns auf diese Weise Mitgetheilte 
eine so große Tragweite besitzt.
	        
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