Full text: Grundsätze der Volkswirtschaftslehre

6. Kap. Tie Geschichte der ökonomischen Wissenschaft. 
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Dr. Christoph Moufangr durch ihre Schriften und ihre sonstige Thätigkeit 
die Aufmerksamkeit auf die socialen und wirtschaftlichen Fragen gelenkt. Die 
von ihnen vertretenen Ideen sind dann die Grundlage für die seither von der 
deutschen Centrumspartei zur Besserung der socialen und wirtschaftlichen Ver- 
hältnisse geübten Thätigkeit geworden. Von den in diesem Lager stehenden 
volkswirtschaftlichen Autoren, in dessen Sinn auch die früher erwähnten Zeit 
schriften .Das Arbeiterwohl' und »Christlich-sociale Blätter' gehalten sind, seien 
Georg Freiherr von Hertling^ und Franz Hitze^ genannt; außer 
dem muß auch auf die Beleuchtung hingewiesen werden, welche die Väter der 
Gesellschaft Jesu in ihrem Organe, den »Stimmen aus Maria-Laach', der 
socialen Frage zu theil werden lassend 
Eine etwas abweichende, aber jedenfalls der Staatseinmischung nicht 
allzu holde Stellung nimmt Georg Ratzinger ein, dessen treffliches Werk 
»Die Volkswirtschaft in ihren sittlichen Grundlagen' (2. Ausl. 1895) in 
diesem Buche mehrfach citirt worden ist. 
In, Gegensatze zu dieser unter den deutschen Katholiken vorherrschenden 
Richtung hat sich in Oesterreich eine auf sehr weitgehende öffentlich-recht 
liche Regulirung der socialen und wirtschaftlichen Verhältnisse hinarbeitende 
Gruppe von Schriftstellern und Praktischen Socialpolitikern gebildet. Dieselbe 
sieht, wie schon angedeutet wurde, in manchen mittelalterlichen Einrichtungen, 
— in den Zünften mit ihrer eingehenden Reglementirung aller Verhältnisse der 
gewerblichen Organisation, in der weit ausgedehnten Gebundenheit betreffs des 
ländlichen Grundbesitzes (bezüglich dessen die in der Vorzeit vom Grundherrn 
geübten Ueberwachungsfunctionen in der Gegenwart von Corporationen der 
Besitzer geübt werden sollen) und ferner in einer sehr großen Beschränkung 
der Verschuldungsfreiheit der ländlichen Grundeigenthümer sowie im Aufbau 
der constitutionellen Organisation auf Grundlage einer ständischen Interessen 
vertretung — nicht nur abstráete Ideale, sondern wirklich mögliche Institutionen, 
die in unsern Tagen ins Leben gerufen werden sollten. 
Deni entsprechend erkennen die Anhänger dieser Tendenzen zwar die Be 
rechtigung des Privateigenthums an, aber es sind ihnen Ausdrücke geläufig 
wie die folgenden: »Das Eigenthumsrecht an den Sachgütern ist ein von der 
' Tie Handwerkerfragc. Mainz 1864. 
2 Aufsähe und Reden socialpolitischen Inhalts. Freiburg 1884. 
* Kapital und Arbeit und die Reorganisation der Gesellschaft. Paderborn 1880. 
4 Siehe die unter dem Titel »Tie sociale Frage' erscheinende Sammlung von 
Aufsätzen der »Stimmen aus Maria-Laach' (Freiburg 1891 ff.) mit Beiträgen der Patres 
Theodor Meyer, August Lehmkuhl u. a. Die Abhandlung des P. Julius 
^osta-Rossetti: Allgemeine Grundlagen der Nationalökonomie (Freiburg 1888) 
^handelt grundlegende Principien und nimmt weniger Stellung zu den Tagesfragen. 
Devas-ñümpse, Volkîwirtschaftslkhrk. Z 2
	        
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