Full text : Grundsätze der Volkswirtschaftslehre

44

I.  Buch.  Production  und  Consumtion.

lich  nur  für  den  eigenen  Haushalt  producirt,  fa  würde  es  sich  als  eine  ganz
überflüssige  Verschwendung  von  Zeit,  Mühe  und  Gelo  herausstellen,  falls
inan  ihm  eine  derartige  Ausbildung  geben  wollte.
Ohne  Zweifel  kann  allerdings  die  Erziehung  nicht  stets  den  Verhältnissen ­
  derart  angepaßt  werden,  daß  niemals  ein  Mißgriff  begangen  würde.
Vorgängige  Berechnungen  sind  oftmals  schwierig  und  ihre  Resultate  voit
unsicherem  Erfolg,  so  daß  es  besonders  heutzutage,  wo  sich  die  Markt-  und
Productionsverhültnisse  häufig  ändern,  unmöglich  ist,  viele  unnütze  Ausgaben
für  Fachbildung  zu  vermeiden.  So  viel  kann  aber  gesagt  werden:  wenn  in
einem  Productionszweige  hundert  Stellen  frei  sind,  welche  nur  einfache  Arbeitsleistungen ­
  erfordern,  und  bloß  fünf  Plätze  verfügbar  sind,  welche  eine  technische
Bildung  voraussetzen,  so  muß  es  unvernünftig  erscheinen,  hundert  Mädchen
oder  Knaben  mit  Fachkenntnissen  auszurüsten  und  nur  fünfen  eine  ganz  einfache ­
  Erziehung  zìi  ertheilen.
Abgesehen  von  den  der  Ausbildung  gesetzten  Schranken  sind  die  productiven ­
  Fähigkeiten  einer  Nation  noch  in  zweierlei  Weise  beschränkt,  nämlich ­
  einerseits  durch  die  Zahl  der  Stunden,  während  welcher  gearbeitet  werden
kann,  und  andererseits  durch  die  der  Arbeiter.  Bezüglich  des  letzter»  Punktes
ist  an  dieser  Stelle  nur  so  viel  zu  sagen,  daß  infolge  des  Ueberschnsies
der  Zahl  der  Geburten  über  die  der  Todesfälle  der  jährliche  Zuwachs  an
Arbeitern  selten  15  vom  Tausend  übersteigt.  Eine  Folge  hiervon  ist  dann
der  Eifer,  mit  welchen!  viele  Länder  zu  gewisien  Zeiten  diese  langsame
Zunahme  durch  Einwanderung  zu  ersetzen  suchen.  Was  aber  den  andern
Punkt  anlangt,  so  ist  es  unmöglich,  die  Maximalzahl  der  Stunden,  während
welcher  im  Laufe  des  Jahres  gearbeitet  werden  kann,  ohne  die  Kräfte
der  Arbeiter  zu  schädigen,  genau  zu  bestimmen.  Es  läßt  sich  da  nur  behaupten ­
  ,  daß  dieselbe  nach  der  Art  der  Beschäftigungen,  der  Beschaffenheit
der  Gegenden  und  der  Localitüten,  nach  Geschlecht  und  Alter  sowie  im  Anschluß ­
  an  die  verschiedenen  häuslichen  und  individuellen  Verhältnisse  wechselt.
Auch  muß  nachdrücklich  betont  werden,  daß  Ueberstunden  über  die  gewöhnliche ­
  Arbeitszeit,  wenn  sie  über  eine  gewisse  Grenze  hinaus  in  Anspruch  genommen ­
  werden,  nicht  nur  verhältnißmäßig  weniger  einträglich  sind,  sondern,
wenn  wir  die  Arbeitsergebnisse  der  Personen,  die  eine  Anzahl  von  Jahren
hindurch  übermäßig  angestrengt  waren,  in  Betracht  ziehen,  auch  die  Folge
haben,  daß  absolut  weniger  producirt  wird.
In  dieser  Hinsicht  sind  noch  zwei  Bemerkungen  am  Platze:
1.  Obgleich  derartige  Ueberanstrengungen  die  nationale  Production  schädigen, ­
  besteht  keine  Garantie  gegen  das  Vorkommen  solcher  traurigen  Erscheinungen, ­
  welche  die  Frucht  schlechter  socialer  Verhältnisse  sind.  Zeugniß
dafür  bietet  z.  B.  die  traurige  Lage  der  Neger  ans  Jamaica  zu  Anfang  dieses
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.