Full text: Schragen der Gilden und Aemter der Stadt Riga bis 1621

JEJO Der Aufschwung der Handwerksämter im i6. Jahrhundert. 
Wie nun die Handwerkerämter in Reval allmälig die KanutJ- 
gikle als ihren Mittelpunkt an/.usehen sich gewöhnten — seit 1475 
officiell — und diese wiederum Einfluss auf die Leitung der städti 
schen Angelegenheit gewann, bedarf noch durchaus einer auf 
klärenden Untersuchung. Nottbeck sagt hierüber': „ln allen An 
gelegenheiten, welche das Interesse und die Administration des 
städtischen Gemeinwesens betrafen, sofern dieselben nicht der 
blossen Exekutivgewalt des Raths unterlagen, war dieser seit jeher 
an die Zustimmung der grossen und der beiden kleinen Gilden des 
heiligen Kanut und heiligen Glaus gebunden und musste von ihnen 
auch eine gewisse Art der Kontrole hinsichtlich der Verwendung 
der städtischen Einanzmittel hinnehmen. Diese Kontrole wurde 
später durch die Hinzuziehung von Gilde-Deputirten in die dem 
Rathe untergeordneten Verwaltungsbehörden zu einer direkten 
Mitverwaltung erhöht, ln Handelssachen — und diese spielten m 
der alten Hansastadt keine geringe Rolle — redete die grosse 
Gilde das Hauptwort, in ('.eldbewilligungsfragen kam ihr \'otum 
als dasjenige der reichsten Korporation besonders in Betracht- 
Bei der städtischen Vertheidigung nahmen die Coldegenossen eine 
hervorragende Stellung ein, indem sie im Mittelalter neben dem 
Rath und den Schwarzenhäuptern offenbar das Hauptgros der 
Reiterei bildeten und mit ihrem (befolge eine ansehnliche Mannschaft 
stellen konnten. Auch wurden mit Ausnahme des Oberkommaf- 
(leurs (Oberst), welcher Rathsglied war, die Befehlshaber, nament 
lich die Hauptleute (Stadtkapitaine), aus der grossen Gilde gewählt- 
Es machte sich der Vorrang der grossen (olde vor den beiden 
kleinen schon äusserlich geltend, indem seit ältester Zeit der Altei" 
mann der grossen Gilde auch Namens der beiden kleinen Cdlden, 
also im Namen der ganzen Stadtgemeine, vor dem Rathe das Wort 
führte und zu gemeinsamen Berathungen die \ er(reter der beidr’" 
kleinen (olden auf der grossen (dldestube versammelte und diesel' 
Versammlungen präsidirte.“ 
Es scheint hiernach, als ob den Handwerkern Revals von selbst 
in den Schooss fiel, was die rigischen erst in jahrzehntelange" 
Kämpfen erreichten. Rathsfähig sind übrigens auch in Reval rl'^ 
Handwerker nie gewesen. Bemerkenswerth ist es jedenfalls ti" 
lässt die oben angedeutete Entstehung der St. Johannis- oder kleine 
(olde in Riga in neuer Beleuchtung erscheinen, dass die kle'"^ 
1 a. a. O., S. 13.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.