Full text: Nationalökonomie (Teil 1)

Landwirten werden beide Teile in gleicher Weise ihre Rechnung finden, 
weil keiner in einer Zwangslage ist, aber jeder die Tiere los wird, die 
ihm eine Last sind, und diejenigen erhält, die er zur Komplettierung 
seiner Wirtschaft gebraucht. Derselbe Vorgang wird auf dem Gemüse- 
markte, wie im allgemeinen an der Börse vorliegen, wo die Ware in Fülle 
vorhanden ist, und es ebenso nicht an Käufern fehlt. So wird durch 
einen regen Tauschverkehr in einem Lande der Wert der vorhandenen 
Gegenstände gefördert und jeder Produktionszweig dadurch in seiner 
Thätigkeit erleichtert, wie der Konsument dadurch zu seinem Bedarfe 
gelangt. Dasselbe ist aber auch in dem internationalen Handel zu 
beobachten. Wenn zwei Länder nachhaltig miteinander im Austausch- 
verkehr stehen, so müssen beide dabei einen Gewinn haben, sonst wäre 
er nicht aufrecht zu erhalten. Jedes Land giebt die Ware ab, die 
es billiger produzieren kann, als ein anderes, und wovon es über Be- 
darf an Vorrat hat. Es empfängt dafür, was unter anderen klimati- 
schen und Bodenverhältnissen leichter und in größerem Maßstabe ge- 
wonnen, und gleichfalls im Ueberflusse erzeugt wird, es erhält dafür, 
wie z. B. Indien für seine Gewürze, Reis etc., aus Europa Baumwollen- 
stoffe, Eisenwaren, die hier billiger und besser durch die Großindustrie 
erzeugt werden können als dort. Die merkantilistische Anschauung, daß 
ein Land sich nur auf Kosten des Nachbarlandes zu bereichern ver- 
möchte, mit dem es in Handelsbeziehungen steht, ist daher falsch, ob- 
gleich die Anschauung bis in unsere Zeit hinein (Thiers) gefunden wird. 
Im Gegensatze dazu ist man in der neueren Zeit bestrebt, die gemein- 
samen Interessen der Länder zur Grundlage von Handelsverträgen zu 
machen und durch gegenseitige Gewährung von Konzessionen beiden 
Ländern möglichste Vorteile zugänglich zu machen, um keines unnötiger- 
weise zu schädigen. Es entspricht das offenbar der gesunden Vernunft, 
von 
Die Konkurrenz. 
8 21. 
Vierteljahrsschrift für die Volkswirtschaft und Kulturgeschichte 1877, Art. 
Hertzka u. Wolf. 
Wagner, a, a. O.. S. 223, Das moderne System der freien Konkurrenz. 
Ist bei dem Tauschverkehre auch ein gemeinsames Interesse die Interessen- 
Grundlage desselben, so tritt doch ein Gegensatz der Parteien insofern gegensatz 
hervor, als Jeder bestrebt ist, einen möglichst hohen Gewinn zu er- beim Tausch. 
zielen, der dann zum Teil auf Kosten des Anderen erreicht sein wird. 
Dies trat bei dem Beispiel der Bewucherung des Pferdeverkäufers, der 
notwendig Geld brauchte, zu Tage. Sein Gewinn war auf ein Minimum 
reduziert, der Käufer war in der Lage, sich einen übermäßigen Ge- 
winn anzueignen, Die Gefahr einer solchen Ungleichheit des erzielten 
Vorteils wird deshalb nahe liegen. Die Adam Smithsche Schule Regulierende 
ging nun davon aus, daß nach einem allgemeinen wirtschaftlichen Kraft d. Kon- 
Naturgesetze in dem Zustande wirtschaftlicher Freiheit sich überall ein EA Dach 
freies Mitwerben bei Produzenten einerseits, Konsumenten andererseits, ‘ 
zwischen Käufern und Verkäufern, Arbeitgebern und Arbeitnehmern 
herausstelle, welches eine jede Uebervorteilung des einen Teiles im 
großen Durchschnitte unmöglich mache. Mit anderen Worten, die 
freie Konkurrenz führe in dem wirtschaftlichen Treiben eine allgemeine 
Harmonie der Interessen herbei, und zwar naturgesetzlich, indem Jeder 
Sonrad, Grundrifs der polit. Oekonomie. I. Teil. 4. Aufl.
	        
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