Full text: Frédéric Le Play in seiner Bedeutung für die Entwicklung der sozialwissenschaftlichen Methode

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als Beispiel das Budget der Baschkiren heran (0. E. II, p. 27), in 
dem als Ausgabe für den Schulunterricht der drei Kinder zusammen 
0,63 Fr. angegeben sind. Wollte man daraus schließen, daß der 
Unterricht sehr minderwertig sein muß, so wäre das verfehlt; wir 
erfahren aus dem Text, daß es zur Funktion des Geistlichen gehört, 
den Kindern gratis Unterricht zu erteilen. Und ebensowenig läßt 
sich aus den Zahlen schließen, die die Ausgaben für den religiösen 
Kultus wiedergeben. Der „Pariser Lumpensammler“ (0. E. VI) 
macht gar keine Ausgaben in dieser Hinsicht und wird doch als 
tiefreligiöser Mann geschildert, der päpstlicher Soldat war und sogar 
eine kleine religiöse Bibliothek sein eigen nannte. So ist also das 
Budget kein Ausdruck seiner Überzeugung, die sich ja überhaupt 
nicht in Zahlen ausdrücken läßt. Denn was wäre damit bewiesen, 
wenn ein oder gar mehrere Prozente der Ausgaben unter der Rubrik 
„Kultus“ figurierten? Für die religiöse Überzeugung der 
Familie gar nichts. 
Dagegen ist es wohl möglich, vom ganzen sozialen Niveau einer 
Arbeiterfamilie und von ihrem geistigen Habitus eine annähernd 
richtige Vorstellung aus der Monographie zu erlangen, wobei die 
Zahlen des Budgets nicht ohne Wert sind. So ist z. B. für den 
„Solinger Aufschläger“ die Angabe gewiß charakteristisch, daß der 
Alkohol und der Rauchtabak seine einzige Erholung bildeten; das 
Budget enthält tatsächlich beträchtliche Ausgaben dafür. Dieser 
Aufschläger ist auch in der Tat typisch für den Solinger Heim 
arbeiter; nur die Schleifer, die noch viel unsolider sind, weichen 
dadurch vom Typus ab. Also ein ziemlich düsteres Bild. Aber in 
dem gewählten Einzelfalle waren die Beobachtungen Le Play’s, nach 
den Angaben einer jetzt noch lebenden Tochter, unvollständig. Der 
Aufschläger war Mitglied eines Schützenvereins, in dem er gesell 
schaftliche Anregung fand. Er hatte eine starke Passion für Politik, 
und zwar war er entgegen der Strömung der Zeit (1851) konservativ 
gesonnen. (Natürlich hielt er sich auch seine Zeitung.) Durch diese 
Mängel in der Berichterstattung Le Play’s, der sonst Bruchteile von 
Pfennigen angibt, wo es nicht nötig ist, wird doch das Bild wesent 
lich geändert. Aus dem unsoliden Manne, der seine Zeit zwischen 
der Arbeitsstätte und dem Wirtshaus teilt, wird eine andere Persön 
lichkeit: der kleine Handwerksmeister aus der Mitte des vorigen 
Jahrhunderts, der zugleich „Bierbankpolitiker“ ist, einem Verein an 
gehört und durch sein politisches Interesse und seine der allgemeinen 
Anschauung zuwiderlaufenden Ansichten zeigt, daß seine Gedanken
	        
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