Full text: Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe

Berggrün 
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Bernsteinlack 
noch selten in den Handel, weil man dem künst 
lich dargestellten, dem Bremerblau, den Vor 
zug gibt. 
Berggrün (Ungarischgrün, Tirolergrün, 
Schiefergrün), eine lebhaft grüne Maler- und 
Anstrichfarbe aus gemahlenem und geschlämm 
ten Malachit, wird nur noch selten benutzt, da 
man künstliche Farben von ähnlicher Zusammen 
setzung vorzieht. (Vgl. Braunschweigergrün.) In 
Tirol sortiert man die Ware in Malachitgrün, 
Ölgrün und Grundfarbe. Das B. gehört zu 
den kupferhaltigen, daher giftigen Farben. 
Bergkristall (frz. Cristal de röche, engl. Rock- 
crystal). Mit diesem Namen pflegt man die 
reinste, in durchsichtigen Kristallen des hexa 
gonalen Systems vorkommende Kieselsäure zu 
belegen. Sind die Kristalle undurchsichtig, so 
nennt man sie Quarz, sind sie durch geringe 
Beimengungen anderer Stoffe gefärbt, so gibt 
man ihnen besondere Namen. So heißen die 
blauen und violetten Abarten Amethyst, die 
braunen Rauchquarz oder irrtümlicherweise 
Rauchtopas, die gelben Zitrin und die schwar 
zen Morion. Hauptfundorte schöner B. sind die 
schweizerischen undTiroler Alpen, Ungarn, Zeylon, 
Madagaskar, Brasilien und Japan. Man schleift 
den B. zu mancherlei Schmuckgegenständen 
und hat neuerdings auch Gewichtssätze für feine 
mechanische Wagen daraus gefertigt, wozu er 
sich wegen' seiner Härte (7 Grade) und Unver 
änderlichkeit an der Luft vortrefflich eignet. 
Bergpetersilie (Grundheil, Hirschwurzel 
kraut, lat. Herba oreoselini, frz. Herbe de per- 
sil de montagne, Athamante, engl. Athamanta), 
das getrocknete Kraut von Athamanta Oreo- 
solinum, einer Umbellifere, wird in <Jer Tier 
heilkunde verwandt. 
Berlinerblau (Preußischblau, Paris er blau) 
ist eine geschätzte blaue Farbe, welche durch 
Fällung von Eisenvitriollösung mit gelbem Blut 
laugensalz und nachherige Behandlung des ab- 
fiitrierten, hellfarbigen Niederschlages mit Chlor 
kalk oder chlorsaurem Kalium gewonnen wird. 
Die aus reinem Ferroferrizyanid bestehende Sorte 
bezeichnet man meist als Parisefblau, während 
der Name B. meist für Gemische des letzteren 
mit Ton, Gips oder Schwerspat benutzt wird. 
Berlinergrün, eine Anstrichfarbe, wird als 
grünes, in Wasser unlösliches Pulver aus der 
Mutterlauge bei der Blutlaugensalzfabrikation er 
halten. Zuweilen wird auch ein Gemenge von 
Berlinerblau mit Gelb unter demselben Namen 
verkauft. 
Berlinerrot. Diesen Namen führt einesteils 
der geglühte oder gebrannte Ocker, andernteils 
eine geringere Sorte von Florentinerlack (Rot 
holzlackfarbe). 
Bernstein (Börnstein, Brennstein, Agt 
stein, Achtstein, Succinit, lat. Succinum-, Elec- 
trum, frz. Succin, engl. Amber), ein fossiles Plarz 
vorhistorischer Wälder, mit Insekteneinschlüs 
sen, kommt besonders an der Seeküste von Ost- 
und Westpreußen, namentlich im Samland nörd 
lich von Königsberg, vor, wo eine regelmäßige 
Gewinnung durch Tauchen und Baggern in der 
Nähe des Strandes oder durch Graben oder berg 
männischen Betrieb auf dem Lande (Bergwerk 
Palmnicken), stattfindet. In geringeren Mengen 
zeigt sich B. an den Küsten von Livland, Kur 
land, Mecklenburg, Holstein und Dänemark so 
wie in Schlesien, Galizien, Rumänien, Sizilien, 
Spanien, Grönland, Kamtschatka, Ober-Birma und 
China. — Der B. zeigt in seiner äußeren Er 
scheinung außerordentliche Unterschiede. Neben 
durchsichtigen finden sich trübe und undurch 
sichtige, neben weißlichgelben hellgelbe bis dun 
kelgelbe und braune Stücke. Der Glanz ist glas 
artig, die Größe und Gestalt der Stücke sein 
wechselnd. Er wird daher für den Handel nach 
Größe, Farbe und Schönheit in sehr viele Sorten 
geteilt. Der deutsche B., der hauptsächlich den 
Markt beherrscht, gelangt teils verarbeitet, teils 
roh in den Handel. Der Haupthandelsplatz war 
seit langen Zeiten Danzig, wo auch viel ver 
arbeitet wird, während jetzt Königsberg, nächst- 
dem Memel und Stolp, an die Spitze getreten 
sind. Große Mengen gehen nach Wien, Kon 
stantinopel und Paris, wo sehr schöne Schmuck 
sachen daraus gefertigt werden. Die Verarbeitung 
erfolgt mittels Schnitzen und Raspeln sowie auch, 
mit der Drehbank. Man fertigt aus dem B. Pfei 
fen- und Zigarrenspitzen, Broschen und verschie 
dene andere Schmuck- und Kunstsachen, wie 
Bernsteinperlen und Bernsteinkorallen 
(Bastardkorallen). Die kleinen Stückchen und 
Abfälle werden zur Bereitung von Bernsteinlack 
und Bernsteinsäure sowie auch zum Räuchern 
verwandt. Auch benutzt man die Abfälle zur 
Nachahmung echter Bernsteinwaren, indem man 
sie mit heißem Schwefelkohlenstoff in eine pla 
stische Masse (Ambroid) verwandelt und dann 
in Formen preßt. Man erkennt sie mittels des 
Mikroskops an dem Fehlen der zahlreichen klei 
nen Luftbläschen, die der echte B. zeigt. Nicht 
selten werden auch Nachahmungen aus einem 
Gemische von Kopal, Terpentin und Kampfer 
gefertigt, die sich durch ihre leichte Löslichkeit 
in Äther und ihre leichtere Schmelzbarkeit vom 
echten B. unterscheiden lassen.' Echter B. hat 
ein spez. Gew. von 1,050—1,096, eine Klärte von 
2,0—2,5 und einen Schmelzpunkt von 250—300 0 . 
Er ist in den meisten Lösungsmitteln mit Aus 
nahme des Terpentinöls nahezu unlöslich und 
kann mit Hilfe dieser Eigenschaften von allen 
Fälschungen unterschieden werden. Nachahmun 
gen aus Glas erkennt man auch an der Unver 
brennlichkeit. Schwarzer B. ist Gagat. 
Bernsteinlack (Bernsteinfirnis, frz. Vernis 
au succin, Laque de l’ambre jaune, engl. Varnish 
of amber, eine zum Anstrich auf Holz, Blech 
und Leder dienende Flüssigkeit, besteht aus einer 
Auflösung von Bernstein in Terpentinöl und Lein 
ölfirnis. Zu ihrer Darstellung wird der Bernstein 
vorher vorsichtig geschmolzen, worauf er sich 
schon bei einer Temperatur von ioo ü auflöst. 
Solcher geschmolzener Bernstein kommt in 
sieben verschiedenen Sorten in den Handel, die 
sich nur durch größere oder geringere Flelligkeit 
unterscheiden. Eine geringwertige, sehr dunkle 
Sorte wird aus dem sogenannten Bernstein 
kolophonium', einem zur Gewinnung von Bern- 
steinsäure und Bernsteinöl sehr stark erhitzten 
Bernstein, erhalten. Die mit B. hergestellten An 
striche sind sehr dauerhaft, luft- und wetterbe 
ständig und besitzen schönen Glanz und große 
Härte. Sehr häufig werden harte Kopalsorten zu 
sogenannten Bernsteinlacken mitverarbeitet, da
	        
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