Die Leitung.
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artigen Maschinen in einem Gebäudeteil, das auf irgendeinem Eckchen des
Geländes mehr schlecht als recht angeflickt wird. Erst später entdeckt man die
Verlustquellen, die sich hauptsächlich durch die Transporte ergeben 1 , und stellt
sie ab, wenn .... das Geld und die Zeit es zulassen.
Aber innerhalb dieser durch Teilung entstandenen Betriebe entsteht bald eine
eigenartige Ordnung der Arbeit durch Befehlsstufung und Aufgabengliederung.
Der Unternehmungs- oder Betriebs- oder Werkstättenleiter ist nicht mehr im
stande, alle Anweisungen selbst zu geben; er braucht Mittelsleute, die die Anord
nungen weiter leiten und auch ihre Ausführung überwachen. Die Zahl der „Vor
gesetzten“ wächst mit dem Umfang der Betriebe; in den großen Unternehmungen
sind schon 1913 vom Direktor bis zu den ausführenden Kräften sechs und mehr
leitende Stellen zu beobachten 1 2 . Daneben geht die Aufgabengliederung jetzt bis
ins kleinste weiter. Während im Anfang beispielsweise der Dreher sich selbst das
Material und die Zeichnungen holte, die Art der Bearbeitung und des Aufspannens
des Stückes überlegte, seine Drehbank einstellte, Werkzeuge auswählte und schliff
(evtl, auch noch herstellte), dann die eigentliche Dreharbeit ausführte und die
Abmessungen des fertigen Stückes kontrollierte, ist seine Tätigkeit heute, be
sonders wenn es sich um Massenarbeit handelt, fast immer auf die eigentliche
Dreharbeit beschränkt. Die Anweisung für die Aufspannung und Ausführung
erhält er vom Arbeitsbüro, seine Drehbank bringt der Einrichter in Ordnung, die
Werkzeugstähle setzt die Werkzeugmacherei instand und schleift sie, Laufjungen
besorgen Material und Stähle und der Revisor überprüft das fertige Stück 3 .
Mit der Zeit entsteht so der heutige Industriebetrieb unter fortgesetzten Ver
änderungen der Technik, der Größenordnungen, der Funktionen der einzelnen
Beschäftigten 4 . Auch auf anderen Gebieten treten Großbetriebe in den Vorder
grund; Waren- und Kaufhäuser, Banken, Versicherungsgroßunternehmungen,
Verkehrsbetriebe, sie wachsen mit ungewöhnlicher Schnelligkeit zu Gebilden mit
riesigen Kapitalien, Umsatzziffern, Belegschaftszahlen an. Das Größerwerden ist
fortdauernd verbunden mit neuen Erfahrungen und Umstellungen. Wohl ist im
Anfang — bei der fortdauernden Aufwärtsentwicklung — die Organisation der
Dinge und Menschen fast ausschließlich eine Frage der Mehrleistungsfähigkeit. Die
zunehmende Einengung der Märkte nach Preis und Menge läßt aber im weiteren
Verlauf mit großer Dringlichkeit die Kostenfrage in den Vordergrund treten. Die
Einführung der Selbstkostenrechnung, die schärfere Durchführung der Vorkalku-
lation und die Einführung der Budgetierung führen dann oft wieder zu einer
völligen Umwandlung des Betriebsaufbaus.
Vor allem aber ist zu bedenken, daß die Betriebe als Stoff gewordene Unter
nehmergedanken anzusehen sind; die Fortentwicklung der Kultur mit ihren Ände
rungen braust über sie hinweg. Standorte werden verschoben und bedingen eine
andere Einstellung des Ein- und Verkaufsapparates, Wettbewerbsartikel tauchen
auf und erzwingen eine stärkere Werbung oder eine völlige Umstellung der Er
zeugung. Finanzielle oder fertigungstechnische Überlegungen führen zu Zusam
menschlüssen und Zusammenlegungen mit ihren vielfachen Umgruppierungen der
kaufmännischen und technischen Betriebe. Änderungen in der Mode führen zur
Beschleunigung der Arbeit und zur Umstellung der Lageranordnungen, solche der
Verkaufsgewohnheiten, wie der Markenartikel, rufen eine vollkommene Umwälzung
in der Art und Methode des Absatzes hervor. Der technische Fortschritt bringt
1 Einzelne Arbeitsstücke durchliefen zum Beispiel bei der Westinghouse El. and Manu
facturing Co. 22 von den 100 Werkstätten; s. W. Koch; Die Organisation der Westinghouse
Electric and Manufacturing Co., Pittshurg; in Techn. u. Wirtsch., H. 11 und 12 (1908),
S. 453ff.
2 Zitzlaff: S. 8. 3 Zitzlaff: S. 25. 4 Siehe hierzu Geck; S. 54ff.