350 Buch 5. Kap. 1. Verhältnißmäßigkeit der Konsumtion.
feinere und zugleich geistigere Genüsse aus, die ihrerseits durch
weitere, von Oben nach Unten vordringende Verbreitung nicht
an Reiz verlieren. An die Stelle des oft so unbequemen Prunks,
dessen Anziehungskraft sich mit dem Nachthun Gleichenwollender
verringert, tritt behaglicher Comfort in Wohnung, Geräthschaften,
Kleidung re., der sich alsdann mit seiner gleichhcitlicheren Ein
fachheit und wohlthuenden Sauberkeit vermöge allseitiger steigen
den Wohlstandes und verwohlfeilernder Technik abstufungsweise
verallgemeinert. Die früher zwar seltenen, daun aber auch
gewaltigen und mit mancherlei kraftprüfeudcr Kurzweil ver
bundenen Schmausereien werden mit einer gleichmäßig besseren
Alltagsuahrung und mit den Erquickungen vertauscht, welche
Kunst und Wissenschaft in nie versiegender Fülle den hiernach
Verlangenden zu gewähren vermögen. Auf den allerhöchsten
Kulturstufen endlich steigert sich nachher der Luxus zu einer
Hohe, bei welcher sowohl seine Licht- als feine Schattenseiten
am schärfsten hervortreten. Je raffinirter derselbe dabei wird,
um so eher führt er zu verbildeter Unsitte, unnatürlicher Ver
weichlichung und zu einer starke Anreizungen bedürfenden Ueber-
sättigung. Nach Kulturrückschritten kehren schließlich in mancher
Beziehung auch rücksichtlich des Luxus wieder die Zustände
früherer Kulturstufen in eben nur äußerlich umgewandelter Form
zurück, indem die gierige Genußsucht verfallender Völker zumeist
in eitle Prunksucht, in Glänzentvvllen durch kostspieligen, Anderen
nicht in gleicher Weise möglichen Aufwand, und in schwelgerische
Ueppigkeit bei materiellen Genüssen ausartet.
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Uebrigens hängt die Richtung, welche die Consume
tionsverhältnisse jeweilig im Ganzen gewinnen,
überall sehr wesentlich mit einerseits von der bestehenden
Vertheilung des Vermögens imb Einkommens sowie von
der Leichtigkeit und Sicherheit, mit welcher Einkommens-
Überschüsse nutzbringend angewendet werden können, anderer
seits von den eigenartigen Neigungen der verschiedenen
Volksklassen oder ganzer Volksstämme, und außerdem auch
von der näheren Beschaffenheit der Staatsconsnmtion ab.