nach staatlichen Währungsbestimmungen, sondern nach den auf
lem Welt-Geldmarkt (Valutamarkt) geltenden Tagespreisen: den
Geldkursen. Hier auf dem Geldmarkt, wo „besseres“ und
„Schlechteres“ Geld sich gegenüberstehen, wird das Geld voll
und ganz zur Ware: es hat selbst einen Preis. Im zwischen-
staatlichen Verkehr ist also die privatwirtschaftliche Auffassung
des Geldes, die Warentheorie, noch vollkommen herrschend. —
Übrigens spielen solche quantifizierten Qualitätsunterschiede der
Geldarten auch im Verkehr innerhalb der nationalen Wirtschaft
der Länder eine Rolle, Ein Beispiel dafür ist schon die Bestimmung
unseres Bankgesetzes ($ 9), nach welcher für die einen gewissen
Betrag übersteigende Ausgabe „ungedeckter‘‘ Noten eine 5%ige
Steuer zu entrichten ist. Ein weiterer Beleg ist das gegenwärtige
„Goldagio“, d. h. das Erfordernis eines Mehrbetrags an Papier-
mark zur Erreichung der Kaufkraft der Goldmark. Endlich stellen
sich als Agio sämtliche Preise dar, die auf dem Markt der Geld-
surrogate für die Umwandlung in Vollgeld gezahlt werden müssen.
Sind die Valutamärkte das Musterbeispiel für den Handel mit
ausländischen Geldsorten (gemessen an der internationalen Kauf-
kraft der eigenen Währung), so ist es für die Surrogate das
Diskontgeschäft, wo die im Wechsel ruhende Kaufkraft
aktualisiert wird. — Auch außerhalb der großen Märkte kann ein
Geldpreis zustande kommen wie etwa das Aufgeld auf den Nenn-
betrag von Scheidemünzen, welches eine Straßenbahngesellschaft
zahlen muß, um ihre Schaffner ausreichend mit Wechselgeld ver-
sehen zu können.
Nach diesem Überblick über die Zusammenhänge von Kauf-
kraft und Preisbildung können wir auch die Gründe der Kauf-
kraftänderung des aufgespeicherten Talers einsehen. Infolge der
gegenwärtigen Störung unseres Geldumlaufes ist die Kaufkraft-
parität des Papiergeldes verschieden von der des Hartgeldes und
daher auch die Kaufkraft des gehorteten (Silber-) Talers bedeutend
größer als die des entsprechenden Betrages in Papiergeld. Die
vermeintliche Geldwerterhöhung ist also in Wahrheit nur eine
zufälligerweise privatwirtschaftlich günstige Wirkung der allge-
meinen Preissteigerung. Diese wiederum ist, soweit ihre Ursache
das unverhältnismäßige Anwachsen des umlaufenden Geldes ist,
eine Folge von Störungen im Geldverkehr, wie oben dargelegt:
das Ergebnis einer negativen Beeinflussung der Preise durch
das Geld.