Full text: Ueber die Möglichkeit einer volkswirthschaftlichen Harmonie

43 
liehst zugänglich gemacht werden: durch Entwickelung des 
Transport- und Verkehrswesens und Sicherung des Kechtszu- 
standes. Wo diese Bedingungen nicht erfüllt werden, kann 
wohl mittelst kostspieliger Unternehmungen eine Einwanderung 
erzielt werden, aber diese wird niemals erfolgreich sein. 
Die Niederlassung neuer Colonisten muss der Staat mög 
lichst frei vor sich gehen lassen. Er darf sie nur unterstützen 
durch Gewährung von Ländereien und zeitweiligen Steuerfrei 
heiten, so dass nur solche Colonisten sich niederlassen können, 
welche die Arbeit nicht scheuen und wenigstens ein kleines 
Capital besitzen. Jede Begünstigung, welche darüber hinaus 
geht, pflegt eine Einwanderung von Proletariern und Aben 
teurern anzulocken, welche für kein Land wünschenswerth 
sein kann. 
Die Einwanderung ganz mittelloser Arbeiter ist nur da 
wünschenswerth, wo Capitalien und Naturkräfte im Ueberfluss, 
Arbeitskräfte dagegen spärlich vorhanden sind. Der Staat 
sollte jedoch in einem solchen Falle gar nicht einschreiten, es 
vielmehr den Capitalisten überlassen durch Heranziehung neuer 
Arbeitskräfte aus der Fremde das Gleichgewicht herzustellen. 
Der Erfolg der Colonisation hängt hauptsächlich davon 
ah, dass ein Jeder dahin geht, wo ihm die jeweiligen wirth- 
schaftlichen Verhältnisse günstig sind: Grosscapitalist, Klein- 
capitalist, Tagelöhner, werden eine ganz verschiedene Gegend 
aufsuchen müssen, um ihre Thätigkeit wirthschaftlich zur 
Geltung bringen zu können. Ausser den wirthschaftlichen 
Verhältnissen wird auch ein Jeder, bevor er sich zur Aus 
wanderung entscheidet, zu berücksichtigen haben: die klima 
tischen Verhältnisse, die Landessitten, die gesellschaftlichen und 
politischen Zustände, die örtliche Lage, die Entwickelung der 
Verkehrsanstalten der in Aussicht genommenen Oertlichkeit. 
Eine solch eingehende Prüfung ist bei vielen Colonisations- 
unternehmungen unterblieben, und nur zu oft sind diese daher, 
zahlreiche Opfer ins Elend stürzend, missglückt. 
Einem solchen Uebel muss ein Staat, wie schon bemerkt.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.