Full text : Über die Behandlung der verbrecherischen und arg verwahrlosten Jugend in Österreich

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Diesem  Verhalten  gegenüber  lassen  es  aber  auch  die
Jugendlichen  ihrer  großen  Mehrzahl  nach  nicht  an  einem
willigen  Entgegenkommen  fehlen,  und  so  gestaltet  sich  die
Zwangserziehung  auch  ihrer  äußeren  Erscheinung  nach  zu
einem  harmonischen  Ganzen,  das  zu  den  besten  Hoffnungen
bezüglich  der  weiteren  Entwicklung  derselben  berechtigt.
Die  vor  uns  liegenden,  seit  vielen  Jahren  publicierten
Berichte  über  die  Thätigkeit  einzelner  Anstalten,  liefern  den
Beweis,  dass  die  österreichische  Lehrerschaft  die  schwierige
Aufgabe,  eine  Zwangserziehung  in  größeren  Anstalten  zu
leiten,  mit  Erfolg  zu  lösen  versteht.
Wir  finden  in  jenen  Berichten  fortlaufende  und  eingehende, ­
  alle  Einzelheiten  des  Lebens  erschöpfende  Berichte
über  jeden  einzelnen  jugendlichen  Corrigenden,  nicht  etwa
bloß  von  dem  Zeitpunkte  des  Beginnes  der  Verwahrung
in  der  Anstalt  bis  zu  jenem  der  Entlassung  aus  derselben
—  sondern  lange  über  letzteren  Zeitpunkt  hinaus;  da  die
Beziehungen  zwischen  Anstalt  und  Pflegling,  worauf  das
Hauptgewicht  zu  legen  ist,  durch  den  Austritt  aus  derselben
der  Regel  nach  nicht  aufgehoben  werden.
In  dieser  Weise  lernt  man  ein  Menschenleben  kennen,
das  frühzeitig  von  der  Bahn  des  Rechtes  abgelenkt  wurde,
und  prüft  den  Erfolg  der  auf  die  Besserung  und  Aufrichtung ­
  desselben  verwendeten  Mittel.
Überzeugend  betreffs  der  Richtigkeit  und  Ersprießlichkeit
dieser  letzteren  wirkt  insbesondere  die  Feststellung  aller  jener
Fälle,  in  welchen  die  Zöglinge  der  betreffenden  Anstalten
dieselbe,  als  ihr  neues  Heim  betrachten,  dieses  Heim  auch
zu  gewissen  Zeiten  wieder  aufsuchen  und  sich  daselbst  in  wichtigen ­
  Angelegenheiten  Rath  und  wohl  auch  Beistand  holen.
Kindern,  die  üble  und  nicht  unbedenkliche  Gewohnheit  des  Bettnässens
bekämpft  werde,  meinte  der  Gefragte:  es  gäbe  da  nur  ein  verlässliches
Mittel:  die  mit  der  üblen  Angewöhnung  behafteten  Knaben  und  zwar
jeden  zu  einem  besonderen  Zeitpunkte  in  ihrer  Nachtruhe  aus  dem
Schlafe  zu  rütteln  und  ihn  anzuweisen,  sein  Bedürfnis  zu  befriedigen.
Dieser  Aufgabe,  erklärte  der  Anstaltsleiter  gleichmüthig,  unterziehe  er
sich  selbst,  weil  sie  zu  wichtig  sei,  um  untergeordueten  Organen,  wie
Dienstboten,  Wächtern  re.  übertragen  werden  zu  können."  Wir  bekennen,
dass  uns  diese  selbstlose  sehr  mühevolle  Pflichterfüllung  in  geringfügig
erscheinenden,  ja  selbst  als  niedrig  geltenden  Dienstleistungen  der  rückhaltlosesten ­
  Anerkennung  würdig  erscheint.
            
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