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Hare popularisiert und von John Stuart Mill vertreten wurde, als ganz
unpraktisch verpönt (ausgenommen bei Wahlen zu den Schulbehör
den, wo ihm jedoch die Wirkungen einer seiner verschiedenen Formen
nur wenige Freunde gewonnen haben), und obgleich noch einige her
vorragende Männer dafür eintraten, die die Politik aber mehr bei der
Studierlampe, am Schreibtisch und im abstrakten Denken trieben,
hatte es fast jede Bedeutung eingebüßt. Der nach drei Seiten geführte
Wahlkampf, den die Intervention der Arbeiterpartei ergeben hat, ließ
die Wage wieder zugunsten der Proportionalisten sinken. Die plau
siblen Einwände gegen die Stichwahlen haben ihnen günstige Perspek
tiven eröffnet; das System der Verhältniswahl hat in der politischen
Kontroverse von neuem ein lebendiges Interesse erweckt.
Einfach und anziehend ist die fundamentale Annahme, von der
es ausgeht. In den Vertretungskörperschaften sollen die Mehrheiten
und Minderheiten im Verhältnisse zu ihren Wahlstimmen vertreten
sein. Nur auf diese Weise können alle möglichen berechtigten An
sichten gebührenden Einfluß im Staate erlangen. Majoritäten werden
wohl Majoritäten bleiben, aber sie werden nicht, wie heute, ungehörig
über das Maß ihrer Macht hinauswachsen ’. Ich werde noch später
untersuchen, was dieser einfache und anscheinend einwandfreie Vor-
1 Die Wortführer des Proportionalwahlsystems gehen hierüber hinaus. Sie wei
sen darauf hin, daß in einigen Distrikten, die in eine Anzahl von Wahlkreisen mit
einem Abgeordneten geteilt sind, eine Minorität von Wählern eine Mehrheit von
Abgeordneten entsendet. Wenn jedoch die nationale Mehrheit eine Parlaments
majorität ergibt, so sind solche örtliche Unterschiede bedeutungslos. Aber, hört
man sagen, hinter parlamentarischen Majoritäten haben schon nationale Minori
täten gestanden. Die allgemeine Wahl von 1874 wird dann gewöhnlich als Bei
spiel angeführt. Es wird dargelegt, daß 1874 die Liberalen 1 418 000 und die
Konservativen 1 222 000 Stimmen erhielten. Trotzdem verfügten aber die Kon
servativen über eine Mehrheit von 50 Abgeordneten. Doch dies ist nur eine Seite
der Tatsachen. Die gewichtigste Stimme, die sich öffentlich über diese Wahl
vernehmen ließ, war Gladstones Artikel in dem Nineteenth Century, November
1878: „Manche Ausführungen über den Gegenstand, die mir zu Augen gekommen
sind, lassen viel zu wünschen übrig. Selbst in einigen, die von liberaler Seite
herrühren, habe ich unhaltbare Behauptungen gefunden. Man hat z. B. konsta
tiert, daß bei der letzten Wahl mehr liberale als konservative Stimmen gezählt
worden sind. Zu schnell ist dann hieraus die Schlußfolgerung gezogen worden,
daß die Liberalen selbst damals über die Mehrheit der Wähler, wenn auch nicht
über die der Sitze, geboten hätten. Dies ist natürlich eine Täuschung; denn die
Tory-Partei hatte eine große Majorität der Wahlkreise inne, wo keine Gegen
kandidaten im Felde standen“. Wahrlich, man könnte schwerlich ein glückli
cheres Beispiel finden, als die Wahl von 1874, zu zeigen, wie unter dem heu
tigen System die wirklichen Absichten des Volkes zum Ausdruck kommen. Der
Verlauf der Nachwahlen bis 1876 beweist zwingend, daß das Wahlresultat die
öffentliche Meinung wiedergab.