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seinen eigenen Willen zu haben, und weit die Delcgirten die
höheren Ansätze der kaufmännischen Minderheit sich schon
selber holen würden. Im Ganzen würdigte mau aber ein
loyales Entgegenkommen int Antrage der Zentralleitung. Am
12. November tagten die Arbeitnehmer in Sachen und be
schlossen einstimmig, die Anträge des Zentralkomite zu unter
stützen. Am 14. November trat die allgemeine Delegirten-
versammlung zusammen. Nach sehr kurzer Diskussion wurde
die am 1. August beschlossene Klassifikation abgeschafft und
die Ansätze nach dem Antrage des Zentralkomite angenommen.
Damit schien die Angelegenheit ihre definitive Erledigung ge
funden zu haben, definitiv in dem Sinne, daß die Klassifi
kation als solche, welche — obwohl damals in geringerem
Umfange proponirt — noch im Jahre 1888 den Protest voir
95 Firmen unter Betonung der Unmöglichkeit ihrer Durch-
führung imb ihres Schadens für die Industrie hervorrief, nun
ohne prinzipielle Opposition, trotz ungünstigen handelspoliti
schen Konjunkturen, beibehalten wurde.
Im Februar 1891 erschien aber ein Aufruf der ver
einigten Arbeitgeber von Herisau, welcher neuerdings zum
Kampfe gegen die Klassifikation aufforderte und ans ihre Ab
schaffung tendirte. Neben den alten Klagen, die Klassifikation
stärke die sächsische Konkurrenz auf Kosten der schweizerischen
Industrie, sie hemme die Lagererstellung und verschärfe die
Saison morte, wurden diesmal für ihre Aufhebung des Wei
tern die Konkurrenz der Dampfstickmaschine geltend gemacht
und die im Jahre 1892 abzuschließenden Handelsverträge.
Der Ausruf vermochte aber keine größere Bewegung zu er
zeugen; es kam Mangels an Unterschriften nicht zur beab
sichtigten Petition an die Delegirtenversammlung.
Bemerkungen. Ein Blick auf die Geschichte der Klassifikation zeigt eine
ganze Fülle von Wandlungen und von Widersprüchen in ben
Ansichten über die Klassifikation, besonders ans Seite der
Arbeitgeber und in ihrer Haltung gegenüber derselben. Um