Full text: Geschichte des Zentralverbandes der Stickerei-Industrie der Ostschweiz und des Vorarlbergs und ihre wirthschafts- und sozialpolitischen Ergebnisse

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eroberte. Nachdem die Stickereienprodnktion die heutige Aus 
dehnung erreicht hatte, durfte sie nicht beim alten Konsu 
mentenkreise der mittleren und oberen Schichten stehen bleiben, 
sondern sie mußte sich noch weiter nach oben einen Absatz 
erringen, den Anforderungen jener Kreise genügend, und 
gleichzeitig nach unten, sich der Kaufkraft dieses Elementes 
noch mehr anschmiegend. 
Von rein wirtschaftlichen Gesichtspunkten gibt es eine 
Mn stero ers ch l ech tern n g blos im Sinne der Abnahme der Ver- 
kaufsfühigkeit. Ein noch so grobes Muster, das zu normalen 
Preisen ständige Abnehmer findet und dem Arbeitnehmer einen 
annehmbareil Lohn gewährt, ist wirthschaftlich stets ein gutes 
Muster; eine andere Auffassung ist sentimental. 
Man hat vielleicht in der Diskussion über Mnster- 
klassisikation von dein Worte Musterverschlechternng einen zu 
weitgehenden Gebrauch gemacht. Man kann von ihr reden, 
wenn es sich in» eine Erstellungsweise handelt, welche ans 
Beschummelung der Konsumenten abzielt und einen ganzen 
Artikel in Verruf bringen kann. In jeder Jlldnstrie wird es 
Elemente geben, ivelche sich dieser Erstellungsweise zuwenden, 
deiiii das Geschlecht stirbt nie ans. Ihm gegenüber hat die 
Klassifikation sich einigerinaßen als Regulator der quali 
tativen Produktion erwiesen. Dagegen ist sie bei der weit 
größeren Musterzahl, welche auf untere Kvnsnmationskreise 
berechnet ist, nichts anderes, als berechtigte Lohnkorrektnr 
gegenüber der zu großen Unbeweglichkeit und Starrheit des 
Minimallohnes in Bezug alls qualitative Schwankungen in 
der Produktion. 
In welchen! genaueren Umfange diese Wirkungen sich 
äußerten, ist erst zu konstatiren, wenn eine und dieselbe 
Klassifikation einmal eine Reihe von Jahren fnnktivnirte. 
Zur Zeit wird man höchstens sagen können, daß die im An 
fange an sie geknüpften Befürchtungen im Wesentlichen sich 
nicht erfüllten. In einigen Jahren wird man vielleicht zur
	        
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