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eroberte. Nachdem die Stickereienprodnktion die heutige Aus
dehnung erreicht hatte, durfte sie nicht beim alten Konsu
mentenkreise der mittleren und oberen Schichten stehen bleiben,
sondern sie mußte sich noch weiter nach oben einen Absatz
erringen, den Anforderungen jener Kreise genügend, und
gleichzeitig nach unten, sich der Kaufkraft dieses Elementes
noch mehr anschmiegend.
Von rein wirtschaftlichen Gesichtspunkten gibt es eine
Mn stero ers ch l ech tern n g blos im Sinne der Abnahme der Ver-
kaufsfühigkeit. Ein noch so grobes Muster, das zu normalen
Preisen ständige Abnehmer findet und dem Arbeitnehmer einen
annehmbareil Lohn gewährt, ist wirthschaftlich stets ein gutes
Muster; eine andere Auffassung ist sentimental.
Man hat vielleicht in der Diskussion über Mnster-
klassisikation von dein Worte Musterverschlechternng einen zu
weitgehenden Gebrauch gemacht. Man kann von ihr reden,
wenn es sich in» eine Erstellungsweise handelt, welche ans
Beschummelung der Konsumenten abzielt und einen ganzen
Artikel in Verruf bringen kann. In jeder Jlldnstrie wird es
Elemente geben, ivelche sich dieser Erstellungsweise zuwenden,
deiiii das Geschlecht stirbt nie ans. Ihm gegenüber hat die
Klassifikation sich einigerinaßen als Regulator der quali
tativen Produktion erwiesen. Dagegen ist sie bei der weit
größeren Musterzahl, welche auf untere Kvnsnmationskreise
berechnet ist, nichts anderes, als berechtigte Lohnkorrektnr
gegenüber der zu großen Unbeweglichkeit und Starrheit des
Minimallohnes in Bezug alls qualitative Schwankungen in
der Produktion.
In welchen! genaueren Umfange diese Wirkungen sich
äußerten, ist erst zu konstatiren, wenn eine und dieselbe
Klassifikation einmal eine Reihe von Jahren fnnktivnirte.
Zur Zeit wird man höchstens sagen können, daß die im An
fange an sie geknüpften Befürchtungen im Wesentlichen sich
nicht erfüllten. In einigen Jahren wird man vielleicht zur