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Ansicht kommen, daß sie gleich wie der Minimallohn auch nicht
alle Hoffnungen realisirte, welche ihre Wiege umschwebten.
Man darf sich nicht verhehlen, daß ihr alle Schattenseiten
des Miiiimallohnes anhaften, sie ist gleichsam dessen legitimes
Kind lind als Lohnkorrektur einer Lohnkorrektnr die oberste
Sprosse einer künstlichen Lohnregelung. Die engste Ver-
wandtschaft und völlige Unzertrennlichkeit vom Minimallohn
ist vielleicht der beste Bürge für ihre Fortexistenz. Sie ab-
schaffen, lviirde nur die Einleitung zur Abschaffung des
Minimallohnes sein. Allch er allein wird der Erstellullg
von Lagern hindernd in den Weg treten liild die Waaren-
ausgabe in der Saison morte hemmen, und will inan der
Spekulation wieder einen gewissen Spielraum in der Stickerei
einräumen, so muß auch er fallen. Weil aber die Arbeit
geber an der Forterhaltung des Minimallohnes ein großes
Interesse besitzen, werden sie seinen Sprößling Klassifikation
lieber mit in den Kauf nehmen als mit dessen Beseitigung die
Beseitigung des ersteren einzuleiten.
* *
Im Jahre 1887 griff der Verband zunr ersten Male Boykott gegen
zu einer Waffe, welche in der Geschichte der Industrien viel- verbands
leicht einzig dasteht, zum sogen. Boykott oder zur Sperre.
Sechs Exportfirmen hatten sich bis dahin vom Verbände
ferngehalten, worunter eine, welche als bedeutend konnte be
zeichnet werden. Die betreffenden Firmen wilderten munter
darauflos zum Schaden der Verbandsfirmen; Minimallohn
und rednzirte Arbeitszeit existirten für sie nicht, und unter
12,000 Arbeitnehmern befinden sich immer solche, die aus
Beschränktheit oder ans Verlegenheit Unterschlauf geben, d. h.
in diesem Falle für die betreffenden Firmen arbeiten u. s. f. Den
Verbandsfirmen machten jene wilden bedeutende Konkurrenz,
waren sie doch in der Lage, billiger zu produziren als die
ersteren. Man versuchte, die betreffenden Firmen zuerst auf
dem Wege gütlicher Verhandlungen für den Verband zu ge-