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Vorarlberg sahen immer mehr ein, daß allfällige Bestrebungen
auf industrielle Emanzipation des Vorarlberg iu der Stickerei
erstens zu keinem Erfolge führten und daß es für Vorarl
berg recht eigentlich zu bedauern wäre, wenn sie Erfolg
hätten. Man sah ein, daß der schweizerische Verband beim
ersten Emnnzipationsversnche die Arbeitabgabe nach Vorarl
berg sofort sperrte und daß die Lage der dortigen Arbeit
nehmer trauriger als je sich gestaltete, sobald sie aus
schließlich von dortigen Exporteuren abhängig würden und
nicht mehr ans die schweizerischen Arbeitgeber rechnen könnten,
welche schon bisher ihre Position den eigenen Arbeitgebern
gegenüber besserten und stärkten. Eine Emanzipation des
Vorarlberg ist nur denkbar, wenn die Schweiz dieselbe sou-
tenirte, wozu sie aber keinen Beruf besitzt.
Was man im Vorarlberg selber nun einsieht, scheint
aber noch nicht allen österreichischen Handelspolitikern klar
zu sein. Wenigstens wurde in einem neuerlichen Vortrage
am österreichischen Handelsmuseum zu Wien am 28. Jan. 1891
die Unabhängigkeit der vorarlbergischen Stickerei vom schwei
zerischen Markte als erstrebenswerthes Ziel der österreichischen
Handelspolitik proklamirt. Das klingt sehr schön und Oester
reich hat es in der Hand, das Postulat zu verwirklichen; es
brauchte nur den Veredlungsverkehr mit der Schweiz im
neuen Handelsverträge aufzuheben. Man wird das aber
nicht thun, weil die k. k. Regierung N'eiß, wie bitter noth
wendig man in Vorarlberg den schweizerischen Markt hat
und daß das dort zu erstrebende Ziel vorderhand lind noch
für sehr lange Zeit nur darin liegt, staatlich mitzuhelfen, daß
der vvrarlbergische Arbeitnehmer int Allgemeinen nach und
nach ebenbürtig neben dem schweizerischen am hiesigen Arbeits-
markt auftreten' kann, dann hört auch seine Zurücksetzung von
selbst ans. Ein erster Schritt dazu ist die deinnächstige Er
richtung einer Stickerfachschule in Dornbirn.
War die Emanzipationskampagne von 1887 in geschilderter