133
i
erhöhen; ferner machten die Fabriksticker keinerlei Anstrengungen
für die Aufnahme in den Verband. Sodann war die Stellung
der Fabriksticker als Arbeitnehmer vom Arbeitnehmer eine so
eigenthümliche, das; man sich von Anfang mt nicht klar war,
wie man sie an den Verband angliedern könnte, ohne un-
natiirliche Verhältnisse zu schaffen.
Inzwischen suchten die Fabriksticker sich selbst zu helfen
durch die im Jahre 1887 erfolgte Gründung eines eigenen
Verbandes, des sogenannten Fabrikstickerverbandes, welcher sich
die Aufgabe stellte, seinem Stande diejenigen Vortheile eben
falls zuzuwenden, die den Arbeitnehmern des großen Ver
bandes durch ihn waren gewährt worden. Der Verband der
Fabriksticker zählte in kurzer Zeit einen Viertheil der Bernfs-
genossen in seiner Mitte und erwarb sich durch ein im Ganzen
sehr besonnenes und praktisches Vorgehen auch Sympathien
bei solchen, welche sich ihm nicht anschließen wollten. Schon
von Anfang an wurden Stimmen laut, daß ein gewisses
Kartellverhältniß zwischen beiden Verbänden sollte geschaffen
N'erden. Die Initiative hiefür ergriff die Delegirtenversamm-
lnng des Fabrikstickerverbandes vom Herbst 1887. Sie beauf
tragte ihr Kainite mit bezüglichen Verhandlungen. Die An
gelegenheit erlitt eine Verzögerung, als sich dieser Verband
der Regie eines ebenso unglücklich inszenirten als beendigten
Stickerstrikes lokaler Natur bemächtigte und sich damit in einer
Anwandlung der Verirrung — es war die erste und letzte
seither — ans den Boden gewaltthätiger Agitation stellte unter
Umgehung des Verbandsgrundsatzes der Jnteressentengemein-
sthaft. Der Kartellgedanke hatte dadurch zwar nicht an An
hängern verloren, sondern eher gewonnen: aber viele waren
nun seine Befürworter deshalb geworden, um dem Fabrik
stickerverband mit einem Kartell jede fernere Möglichkeit der
Protektion von Strikes zu benehmen.
Im März 1889 legte eine Delegation des Fabriksticker
verbandes dem Zentralkomite des großen Verbandes ein
Kartell
programm.