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gute Tage zu verschaffen. Mag der Bauer sein Feld noch
so sorgfältig bestellen, mag er die beste Saat wählen und das
Jahr liber alles Unkraut fleißig beseitigen: zur reichen Ernte
bedarf er stets noch des Sonnenscheins und des Regens zur
rechten Zeit. Der Verband hat gleichsam die Arbeit des
fleißigen Bauern ans dem großen Felde der Stickerei-Industrie
zu verrichten; um aber eine volle Ernte zu erzielen, bedarf
es eben auch des Sonnenscheins und des befruchtenden Regens
zur rechten Zeit, das heißt, günstiger Marktkonjunkturen, ans
deren Vorhandensein oder Nichtvorhandensein er keinen direkten
Einfluß besitzt. Sv wenig wie nun der einsichtige Landwirth
deshalb auf eine sorgfältige Pflege des Feldes verzichten
wird, weil im rechten Augenblicke der bedürftige Regen aus
bleiben kann, so wenig wird man die Verbandsthätigkeit
als nutzlos bezeichnen dürfen, wenn zu gewissen Zeiten
die giinstigen Marktkonjunkturen fehlen. Es ist dies gerade
im jetzigen Augenblick der Fall und täuscht nicht alles, wird
in Folge Zusammentreffens der verschiedensten ungünstigen
Faktoren die stille Zeit noch länger anhalten. Mehr als sonst
wird man in einer solchen Zeit an den Landwirth denken, der
sein Feld bestellt, trotzdem ein einziger Frost ihn um die
Früchte seiner Arbeit bringen kann.
Nicht alles, was der Verband für seine Mitglieder er
reichte, läßt sich ziffernmäßig in klingender Münze darstellen,
und vielleicht gerade seine größten und bedeutungsvollsten
Erfolge am wenigsten. Zn diesen sind zu rechnen das mächtig
erstarkte Vertrauen in die Continnitüt dieses Erwerbszweiges,
die Beseitigung jenes Gefühles Wirthschaftücher Jsolirtheit und
Vereinsamung, das im Berufsgenossen den Gegner sieht und
in kritischer Zeit szur Panik und geschäftlichen Unmoralität
führt. Nicht geringer sind die Erfolge ans sozialem Gebiete
anzuschlagen. Wohl stand bei Verbandsgriindnng der wirth-
schaftlich-vkonomische Faktor im Vordergründe, der soziale
spielte eine untergeordnete Rolle. Deshalb verlieren aber die