Full text : Geschichte des Zentralverbandes der Stickerei-Industrie der Ostschweiz und des Vorarlbergs und ihre wirthschafts- und sozialpolitischen Ergebnisse

bslö  Verständniß  sur  die  beidseitigen  Forderungen  und  Bedürfnisse ­
  mehre.
Zn  den  sozialen  Errungenschaften  ist  auch  eine  bemerkbare ­
  Verfeinerung  des  Gefühls  für  geschäftliche  Moral  und
Recht  in  allen  Jnteressentengrnppen  zu  zählen.  Erst  durch
den  Verband  ist  das  Bewußtsein  ein  allgemeines  und  tiefes
geworden,  daß  alle  die  unzähligen  Geschäftskniffe,  daß  gewisse
Abzüge,  Retouren,  Garnschwindeleien,  Stichunterschlagungen,
Mnsterschindereien,  Copien,  Prvvisionsmogeleien,  und  wie  die
Einzelsorten  dieser  unsauberen  Sammlung  sämmtlich  heißen,
denn  doch  nicht  nur  so  eine  Art  unvermeidliches  Uebel  seien,
das  der  Eine  ertragen  müsse,  weil  der  Andere  es  auch  ertrage,
und  das  der  Eine  praktiziren  dürfe.  tveil  sein  Nachbar  auch
davon  Gebrauch  mache.  An  Stelle  des  laisser  aller,  laisser
faire  in  der  gegenseitigen  Beschummelung  trat  das  lebhafte
Gefühl  der  Unmoralität  und  der  Rechtswidrigkeit  solcher  Handlungen, ­
  das  Bewußtsein,  daß  mau  die  letzteren  bekämpfen
und  ausrenten  müsse  und  bei  ernstlichem  Willen  zum  guten
Theil  auch  könne.  Man  macht  dem  Verbände  zwar  den  Vorwurf, ­
  daß  er  durch  seine  zahlreichen  Vorschriften  zu  dcmoralisirenden
  Kniffen  eigentlich  erzogen  habe,  daß  diese  Vorschriften
die  Gelüste  weckten,  sie  zu  umgehen,  vergißt  aber,  daß  die
Kniffe  jeweilen  schon  üppig  vorhanden  waren,  wenn  die  Vorschriften ­
  dagegen  erlassen  wurden.  Neberhaupt  ist  die  Erfahrung ­
  eine  alte  und  allerorts  bestätigte,  daß  gewisse  unsaubere
Praktiken  am  meisten  in  jenen  Industrien  vorkommen,  welche
in  sozialer  und  beruflicher  Desorganisation  sind.  Eine  weitere
Errungenschaft  in  sozialer  Richtung  ist  der  Schutz  der  Franenund
  Kinderarbeit,  sowie  der  Männerarbeit  in  der  Hansindustrie
durch  die  elfstündige  Maximalarbeitszeit.
Man  braucht  wohl  nicht  des  Näheren  auseinanderzusetzen,
daß  gleichwie  der  Verband  zu  einem  werthvollen  sozialen  Erziehnngsfaktor
  für  seine  Mitglieder  wurde,  er  dieo  auch  in
indnstriepolitischer  Beziehung  war.  Man  mag  nur  einzelne
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.