Full text: Das Viehversicherungswesen im Deutschen Reich

Vor dem Eintritt in die Gesellschaft mußten eine Reihe von Antrags 
fragen beantwortet werden. Nach einer sehr ausführlichen Prämien 
skala wurde alsdann der Prämiensatz berechnet. Für*) Rindvieh und 
Pferde waren bis 108 Klassen gemacht worden. Für 
Pferde von 4—5 Jahren wurden 1V2—5%/ 
Pferde „ 12 „ „ 2'/%—16 ,, 
Ochsen 2—10 „ 
Jungvieh 13*/z „ 
' Mastvieh 11% „ 
Prämie bezahlt. — Meistens waren die Prämien so hoch, daß jeder 
Besitzer eines größeren Viehstandes von der Versicherung abgeschreckt 
wurde. Der Gesellschaft boten sich unter diesen Verhältnissen nur 
kleine Geschäfte, welche viel Mühe kosteten und wenig Gewinn brachten. 
Der Direktor L. G. Schmidt**) kam daher in der Geschichte des 
Viehversicherungswesens auf den folgenschweren Gedanken, Besitzern 
von 50 Haupt Großvieh und darüber einen andern Versicherungs 
modus zu gestatten. Von der Prämie wurden nämlich nur 40 °/o 
baar bezahlt. Der Rest von 00% wurde entweder auf Schäden verrechnet, 
oder überhaupt nicht bezahlt. Diese Einrichtung war mit dem besten 
Erfolge gekrönt. Viehbestände bis zum Werthe von 70,000 Thalern 
wurden zur Versicherung gebracht. In weniger als zwei Jahren hatte 
die Gesellschaft eine Versicherungssumme von 11 Millionen Thalern. 
— Doch auch diese Schöpfung ging zu Grunde, weil man von dem 
Prämientarif abgehen zu können glaubte. Versicherungen wurden 
mit 272 °/o Prämie angenommen, welche im Tarif mit 8% ver 
zeichnet waren und der Minimalsatz für die betreffende Thiergattung 
5 0/0 betrug. Die Prämie hätte nur ermäßigt werden können, wenn 
gleichzeitig die Verpflichtung der Entschädigung entsprechend von der 
Gesellschaft entfernt worden wäre. 
Ungefähr gleichzeitig mit der Magdeburger Viehversicherungs- 
gesellschaft cxistirte die Allgemeine Viehversicherungsgesellschast zu Kiel. 
Als maßgebende Gesichtspunkte für die Beurtheilung der Gefahr stellte 
sie Thiergattung, Alter, Benutzung und Fütterung auf. Auffallend 
sind die niedrigen Prämiensätze dieser Gesellschaft im Vergleich mit 
der Magdeburger. Es betrug z. B. die Prämie 
für Pferde 2—6% 
„ Rindvieh 3 °/ 0 . 
Die deutsche Viehversicherungsgesellschaft ,,Pan" in Berlin hatte 
drei Hauptversicherungsabtheilungen: 1) gegen alle Verluste, 2) gegen 
Verluste durch Seuchen und 3) für den Viehstand der Landwirthe. 
Diese drei Hauptversichcrungsabtheilungcn hatten zusammen 13 Rech- 
nungsklassen. deren Gewinn oder Verlust nicht von der einen in die 
andere übertragen werden konnte. Man hatte Minimal- und Maxi 
malprämiensätze, welche verhältnißmäßig niedrig waren, vielleicht zu 
") Birnbaum: Genossenschaftswesen in der Landwirthschaft. 
**) Saski'sche Versicherungszeitung 1875. Nr. 48.
	        
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