Full text: Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe

Artischocken 
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Asche 
Artischocken (frz. Artichauts, engl. Articho- 
kes) bilden in Deutschland einen Artikel des 
Delikatessenhandels, in Italien, Griechenland 
und Frankreich ein allgemein gebräuchliches 
Gemüse. Die A, des Handels sind die grünen 
Blütenköpfe einer distelartigen Pflanze, Cynara 
scolymus L., welche aus Afrika und dem süd 
lichen Europa stammt und dort, wie in Frank 
reich und England angebaut wird. Man erntet 
die noch nicht ganz ausgebildeten Blütenköpfe, 
sobald die Kelchblätter beginnen sich auszu 
breiten, vom Juli bis Oktober. Von den zahl 
reichen Sorten sind die besten: die große vio 
lette A., die große grüne und die A. von Laon. 
Die Zubereitung ist eine sehr verschiedenartige, 
doch wird nur der fleischige -Blütenboden nach 
Entfernung der Schuppen und des Stiels ge 
nossen. Vor dem Kochen werden die A. eine 
Stunde lang gewässert. In Italien siedet man 
sie mit Öl, Salz und Zitronensaft. Die Samen 
enthalten 20—22 0/0 eines gelben, fetten Öles, das 
Artischockenöl. 
Arvenholz (Zirbelkiefernholz, Zirbelföh 
renholz), das Holz der Arve, Pinus cembra, 
ist grob und wenig glänzend, aber dauerhaft. 
Man erhält es aus den Alpen und verwendet es 
zu Resonanzböden. 
Arzneimittel. Bei der Kriegsverordnung vom 
22. März 1917 ist hinsichtlich der zu erteilenden 
Handelserlaubnis mit Arzneimitteln im § 2 fol 
gende Begriffsbestimmung aufgestellt; A. im 
Sinne dieser Verordnung sind solche chemische 
Stoffe, Drogen und Zubereitungen, die zur 
Beseitigung, Linderung oder Verhütung von 
Krankheiten bei Menschen oder Tieren bestimmt 
sind. Die Verordnung bestimmt, daß der Han 
del mit Arzneimitteln vom 16. April 1917 ab nur 
solchen Personen gestattet ist, denen eine be 
sondere Erlaubnis zum Betriebe dieses Handels 
orteilt wurde. Diese Vorschrift findet keine 
Anwendung 1. auf Personen, die bereits vor 
dem 1. August 1914 mit Arzneimitteln Handel 
getrieben haben, der sich nicht auf die unmittel 
bare Abgabe an die Verbraucher beschränkt; 
2- auf Apotheken, in denen Arzneimittel nur un 
mittelbar an Verbraucher abgegeben werden; 
3- auf sonstige Kleinhandelsbetriebe, in denen 
Arzneimittel nur unmittelbar an Verbraucher 
abgegeben werden; 4. auf Tierärzte, soweit sie 
ln Ausübung ihrer tierärztlichen Tätigkeit Arz 
neimittel unmittelbar an Verbraucher abgeben 
dürfen. 
Asa foetida (Teufelsdreck, Stinkasant, 
Gummi s. Resina Asa foetida, frz. Ase {&- 
dde, engl. Stinking Assa) besteht aus dem ein- 
getrockneten Milchsäfte der Wurzeln verschiede 
ner großer Umbelliferen (Doldengewächse) 
des inneren Asien. Namentlich sollen Scoro- 
dostna foetidum, welches zwischen demAral- 
se . e und dem Persischen Meerbusen wächst, so- 
wie auch Narthex Asa foetida im westlichen 
Afghanistan und Turkestan, nach andern aber 
auch Ferula Asa foetida und andre Arten die 
A- liefern. Die A. hat einen höchst unangeneh- 
?dri Geruch, den sie der Gegenwart eines schwe- 
e baltigen ätherischen Öles (Asantöl etwa 3 bis 
^9,oo/ 0 ) v er cla.nkt. Die beste Sorte A. f. in granis 
ln lacrymis (A. in Körnern oder in Tränen) 
esteht aus einzelnen kleineren, mehr oder we- 
^fercka Warenlexikou. 
niger rundlichen Stücken, die im frischen Zu 
stande eine weiße Farbe haben, mit der Zeit 
aber pfirsichblütrot und schließlich braun wer 
den. Die zweite Sorte, A. f. in massis, besteht 
aus größeren Stücken, in denen man innerhalb 
einer gleichmäßigen Grundmasse zahlreiche 
kleine, mandelförmige Stücke von der angegebe 
nen Beschaffenheit erkennen kann. Im frischen 
Zustande ist die A. weich, im Alter hart. Sie 
gehört zu den Gummiharzen und enthält außer 
dem bereits erwähnten ätherischen Öle Harz, 
Gummi, Spuren Vanillin undFerulasäure. Man 
benutzt die Ware als Nervenmittel sowie mit 
zweifelhaftem Erfolge gegen Eingeweidewürmer. 
Asaprol (Abras toi), /i-Naphtolmonosulfo- 
saures Kalzium, ein farbloses, in Wasser und 
Alkohol lösliches Pulver, ist als nicht reizendes, 
antiseptisches Präparat gegen Rheumatismus, 
Gicht, Typhus usw. empfohlen worden. 
Asbest (Amiant, Byssolith, Federweiß, 
Federalaun, Bergflachs, lat. Alumen plumo- 
sum, frz. Asbeste, engl. Asbestus, Amyanth) nennt 
man die sehr feinfaserigen bis haarförmigen 
Abarten des Grammatits und Aktinoliths 
(Strahlstein), welche ihrer chemischen Zusam 
mensetzung nach mit der Hornblende über 
einstimmen, also im wesentlichen als Kalk- 
Magnesia-Silikate anzusprechen sind. Der 
A. besteht aus kürzeren oder längeren, weichen 
oder biegsamen, weißen, zuweilen auch grün 
lichen Fasern, die je länger um so höher be 
zahlt werden. Man erhält ihn am schönsten aus 
Tirol, Nordamerika (Bostonit), Italien, Austra 
lien, der Schweiz, Sibirien, den Pyrenäen. 1886 
wurde auch ein bedeutendes Lager im hessi 
schen Odenwalde entdeckt. A. findet ausge 
dehnte Verwendung als Material für Stopf 
büchsen, zum Dichten der Flanschenverbindun 
gen, zum Filtrieren starker Säuren (Asbest 
papier), zur Erzeugung mittelfeiner Spitzen 
(Como), Mützen (Pyrenäen), Handschuhe (Si 
birien), zur Herstellung unverbrennbarer Zeuge 
und Theatergeräte, von Gerätschaften für che 
mische Laboratorien (Asbestteller, Asbestdraht 
netze) u. dgl. Die nicht faserigen Sorten dienen 
zur Herstellung feuerfester Farben. Diese viel 
seitige Verwendung verdankt der A. seiner Schwer 
schmelzbarkeit und Unverbrennlichkeit, seiner 
Widerstandsfähigkeit gegen Säuren (mit Aus 
nahme der heißen Schwefelsäure) und Laugen 
und der Eigenschaft, wie ein Schmiermittel zu 
wirken. Auch ist er ein schlechter Leiter der 
Wärme und Elektrizität. Asbestfabrikate 
werden gefertigt in Berlin, Frankfurt a. M., Dres 
den und Hannover. 
Asche im gewöhnlichen Sprachgebrauche ist 
der beim Verbrennen der Heizmaterialien hin 
terbleibende Rückstand (Holzasche, Kohlen 
asche), der vielfach noch wechselnde Mengen 
von unverbranntem Kohlenstoff enthält. Der 
Chemiker bezeichnet mit dem gleichen Namen 
den unverbrennlichen Rückstand (Mineralstoffe) 
aller organischen Erzeugnisse des Tier- und 
Pflanzenreichs, dessen Höhe bisweilen e;n Ur 
teil über etwaige Verfälschung gewährt. Die 
Angabe eines chemischen Gutachtens, daß ein 
Pfeffer 5 0/0 Asche enthält, bedeutet also nicht, 
wie bisweilen angenommen wird, daß ihm Holz 
oder Kohlenasche zugesetzit ist, sondern nur, 
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