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Auch im Großherzogthum Baden*) steht das Viehversicherungs
vereinswesen in Blüthe.
Seit Gründung des landwirtschaftlichen Vereins im Jahre 1819
wurden hie und da Versicherungsvereine gegründet, von denen aber
viele wieder zu Grunde gingen. „In den Gemeinden des Kreises
Lörrach**) bestand schon von Alters her der Brauch, daß wenn ein
Stück Rindvieh krankheitshalber geschlachtet werden mußte, alsdann
jeder Bürger gehalten war. von dem Fleische (dessen Genießbarkeit
vorausgesetzt) im Verhältniß seines eigenen Viehstandes ein bestimmtes
Quantum zu einem vom Gemeinderath festgesetzten Preise zu kaufen.
Der Erlös aus dem Fleische entschädigte den Besitzer des erkrankten
Thieres, so daß er mitsammt dem Erlös aus der Haut etwa 4 / 5
des Werthes erhielt. So lange die bürgermeisleramtliche Gewalt noch
eine ziemlich discretionäre war, erhielt sich diese Einrichtung ganz gut.
Allein die Weigerungen von dem Fleische zu kaufen mehrten sich;
die ganze bestandene, gewissermaßen stillschweigende gegenseitige Ver
sicherungsanstalt drohte zu zerfallen, man mußte sich nach einer festeren
Form umsehen. . . Zahlreiche Ortsviehversicherungsvereine bildeten
sich ... 1865 brach die Lungenseuche aus. . . Eine Kollekte war
zuletzt die unausbleibliche Folge der bedeutenden Verluste. Da kam
der Kreisausschuß auf den Gedanken, eine Rückversicherung der Orts
vereine in der Art zu organisiren, daß eine Kreisversicherungsanstalt
sich aus den Ortsvereinen ganz in derselben Weise zusammensetze,
wie der Ortsverein sich von den einzelnen Ortseinwohnern bildet....
Nach den wesentlichen Bestimmungen der ganzen Einrichtung trägt
zunächst der einzelne Nindviehbesitzer ein Fünftel des Schadens; vier
Fünftel werden ihm vom Ortsverein ersetzt; übersteigt aber der Ver
lust im einzelnen Orte 2°/ 0 des Gesammtwerthes des Rmdviehbestanves,
so trägt von den weiteren zu zahlenden Entschädigungen simmer zu
vier Fünftel des Werthes des sRmdviehstandes berechnet) fernerhin
bis zum Ende der Seuckenperiode der Ortsverein ein Fünftel und
die Kreiskasse vier Fünftel. — Vollendet würde die Einrichtung erst
sein, wenn mehrere Kreise die gleiche Einrichtung treffen und unter
einander Rückversicherungsverträge abschließen würden, so daß vom
Besitzer, vom Ortsverein, vom Kreise übermäßige Verluste abgewen
det werden. ... Es dürfen wohl nicht leicht in einer anderen Landes
gegend so viel Ortsversicherungsvereine gefunden werden, als im
Kreise Lörrach, und besonders in nächster Umgebung des Kreiöhaupt-
ortes, der ganze Kreis zählte Ende 1868 im Ganzen 46 in dem
Kreiskataster eingetragene Ortsvereine. Zur Zeit (1870) bestehen
in jenem Bezirk von 43 Ortsgemeinden 35 Ortsvereine."
Das Lörracher Beispiel***) hat in Baden keine Nachahmung ge
funden; dagegen breiteten sich die Ortsvereine immer mehr aus.
*) Funk: Ueber Ortsviehversicherungsvereine, ihre Organisation und
Wirksamkeit im Großherzogthum Baden. , , ^ ^
**) von Preen: Nererat im landw. Centralverein tn Baden.
*") Funk: Ortsviehversicherungsvereine rc.