Full text : Lexikon der Handelsgeographie

142

Deutschland  (Metallindustrie:  Eisen).

schlage  pro  metrische  Tonne  bis  zur  Hütte
(in  Mark):

Gebiete

Gicßcrei-


eisen

Puddel-



Wcißstrahligcs

Eisen

Vcssemer-


eisen

England  .  .  .
Rheinland-Westfalen ­
  .  .  .  .
Oberschleşien.  .

10,5

18,4
15,6

10,60

19,42
15,10

14,7
18,4

14,7
26,2
21,1

Die  auffallend  große  Differenz  für
Bessemereisen,  6,40—11,50  Mk.,  erklärt
sich  aus  den  hohen  Transportkosten  der
aus  dem  Ausland  bezogenen  Erze.  Mit
Einschluß  aller  Kosten:  Arbeitslöhne,
Verzinsung  re.,  waren  die  Kosten  pro  metrische ­
  Tonne  von  Puddeleisen:  in  England ­
  39—44,  in  D.  50—61  Mk.;  für
Gußeisen:  in  England  45—52,  in  D.
63—70  Mk.  ;  für  Bessemer  -  Roheisen  :
in  England  60-62,  in  D.  71—78  Mk.
Freilich  übertrifft  auch  rheinisch-westfälisches ­
  und  schlesisches  Eisen  manche  englische
Marken  an  Qualität,  immerhin  liegen
aber  in  D.  die  Produktionsverhältnisse
ungünstiger  als  in  England.  Dabei  hat
sich  indes  die  Leistungsfähigkeit  auch  deS
einzelnen  Arbeiters  gehoben.  1848  prodllzierte
  ein  Arbeiter  durchschnittlich  149,
1857:  155,  1875:  812  imb  1879:  2928
Ctr.  Roheisen.  Im  letzten  Jahr  waren
14,925  Arbeiter  bei  der  Erzeugung  von
Roheisen  beschäftigt;  von  224  Hohöfen
waren  154  im  Betrieb.  Auch  die  Ausfuhr ­
  von  Roheisen  ist  in  erheblichem
Maß  gestiegen,  während  die  Einfuhr  allerdings ­
  ebenfalls,  aber  doch  nicht  in  demselben ­
  Verhältnis  imb  mit  starkenSchwankungenzunahm.l862wurdenl52,815Ton.

ein-  und  nur  13,127  T.  ausgeführt;  1870
war  die  Einfuhr  auf  229,334  T.,  die  Ausfuhr ­
  ans  109,825  T.  gestiegen.  Vier  Jahre
später  hatten  sich  beide  Beträge  verdoppelt.
In  den  letzten  Jahren  betrug  (in  Tonnen):
Einfuhr  Ausfuhr

1879:  566588  395751
1880:  252226  207776
Die  Einfuhr  kommt  vorzugsweise  aus
England  (1880:121,642  T.),  die  Ausfuhr
hingegen  richtete  sich  nachBelgicn,dann  nach
Frankreich.  1879  wertete  Roheisen  in  Einfuhr ­
  23,i  Mill.,  Ausfuhr  25,6  Mill.  Mk.

Was  Stah  l  betrifft,  so  hatte  D.  bis  1856
nur  2  Stahlwerke:  zu  Essen  (Krupp)
und  B  o  ch  u  m.  Seit  durch  Bessemer,  Siemens ­
  und  Martin  wichtige  Verbesserungen ­
  eingeführt  wurden  und  der  Bessemerstahl ­
  das  Eisen  bei  den  Eisenbahnen  zu
verdrängen  anfing,  entstanden  1865  neue
Bessemer-Anlagen  in  Hörde,  Oberhausen,
Ruhrort,  Dortmund,  Osnabrück,  bei
Aachen,  in  Königshütte  (Oberschlesien),
in  Bayern  und  Sachsen.  Auch  der  Zusatz ­
  fremder  Erze,  unbeschadet  der  Qualität ­
  des  Fabrikats,  wurde  verringert.
Die  Produktion  von  Stahl  belief  sich  1848
erst  auf  9024  Ton.  im  Wert  von  2,5  Mill.
Mk.,  1875  war  sie  auf  390,434  T.  im
Wert  von  74,4  Mill.  Mk.  gestiegen.  In
demselben  Zeitraum  wuchs  die  Zahl  der
Arbeiter  von  1332  auf  19,509  mit  einer
Leistungsfähigkeit  von  1,563,000  Ton.
1879  betrug  von  Roh-  und  Cementstahl,
  Guß-  und  raffiniertem  Stahl  die
Einfuhr  ...  3896  Tonnen
Ausfuhr.  ..  18380
Die  Einfuhr  wurde  alls  2,850,000  Mk.
geschätzt.  Davon  kamen  984  Ton.  aus
Österreich,  962  über  Hamburg  unb  Bremen, ­
  1018  aus  den  Niederlanden  und
Belgien  rc.  Die  Ailsfithr  geht  zu  3 /s  nach
Belgien  und  den  Niederlanden.
An  Schweiß  -  und  Flußei  sen  (Rohluppen ­
  und  Rohschienen,  Cementstahl,
fertigen  Eisenfabrikaten,  Rohstahlluppcn
und  Rohschienen,  Tiegelgnßstahl  und
fertigen  Flußeisenfabrikatcn)  zum  Verkauf ­
  wurden  erzeugt  (in  Millionen):

Ton.  Mark
1870:  l,o  240,7
1871:  1,3  317,8
1872:  1,6  445,5
1873:  1,6  438,8
1874:  1,7  371,9

Ton.  Mark
1875:  1,6  283,5
1876:  1,5  236,3
1877:  1,5  269,2
1878:  1,7  282,6
1879:  1,7  282,3

Von  den  1879  in  D.  bestehenden  351
Schweißeisenwerken  entfallen  100  auf
Westfalen,  62  auf  Rheinland,  48  aus
Schlesien,  26  auf  Bayern;  sie  beschäftigten ­
  insgesamt  49,159  Arbeiter.  Bon  den
57  Flußeisenwerken  mit  15,172  Arbeitern
waren  24  in  Westfalen.
Eisengießereien  gibt  es  in  allen
Teilen  des  Reichs,  am  zahlreichsten  sind
sie  (è)  in  Rheinland  (137),  Schlesien
            
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