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Deutschland (chemische Industrie).
beiten. Die besten Leinengarne liefert
Bielefeld, doch muß noch viel aus Öster
reich, Belgien und Irland (Belfast) impor
tiert werden und zwar 1880: 9959 Ton.
gegen eine Ausfuhr von 1210 T. Für
die Leinwandfabrikation ist Bielefeld
gleichfalls Mittelpunkt, ihm schließen sich
Osnabrück und Hildeshcim an; in wachsen
ist Zittau, in Schlesien sind Lauban, Hirsch-
berg u. a., in Brandenburg Sorau Haupt-
centren. In den Provinzen Preußen,
Pommern und Schlesien ist dieser Er-
werbSzweig noch vielfach Hausindustrie;
von 124,880 in D. bestehenden Betriebeil
mit 164,085 Personen beschäftigen llur
418 über 5 Arbeiter, und in diesen sind
133 Dampfmaschinell von 3142 Pferde
kräften , 8256 Maschinen-, 3517 Hand
webstühle thätig. Für die Hanf spin
ile rei ist Badeil (Emmendingen) von Be-
dentnng, für die Jntespinnerei und
-Weberei Braunschweig, Meißeil, Boilil.
Die 14 größern Jutewebereien beschäf
tigen 2752 Leute, 19 Dampfmaschinen
von 1703 Pferdckräften und 958 Ma-
schincnwebstühle. Zwirnfabrikation
wird namentlich im Königreich Sachsen,
in Schlesien und den Rheinlanden betrie
ben. Aber von Garnen führt D. immer
mehr ein, als es ausführt. Es betrug der
Handel mit alleil Arten von Garnen von
Flachs, Hanf, Jute in der Einfuhr 28,039
Ton., in der Ausfuhr 1936 T. Dazu
konnnt noch eine Einfuhr von 678 T.
Zwirn gegen eine Ausfuhr von 108 T.
Der gesamte Handel mit diesen Fabrikaten
aber 'wertete 1878 in Einfuhr 26,310,000,
in Ausfuhr 7,010,000 Mk. Auch ist die
Anfertigung von leinenen Waren durch
aus nicht genügend, unl den Bedarf gu
decken. Mit Einschluß von gebleichten und
gefärbten Seilerwaren gestaltete sich der
Handel (in Tonnen netto):
I860 1870 1880
Einfuhr 3270 8390 8128
Ausfuhr 6690 8030 7087
Für 1879 waren aber die Werte (in Mil
lionen Mark):
Einfuhr Ausfuhr
Leinene Waren . . 21,9 13,o
Garn und Zwirn . 33,» 4.7
An diese Industrien schließt sich die An
fertigung von Wirk-, Klöppel-, Hä-
kel-,Strick-und Stickwaren. Spitzen-
klöppclei und Weißstickerei werden vorzüg
lich in Sachsen (Annabcrg, Schnceberg,
Plauen und Eibenstock) gepflegt; im gan
zen Deutschen Reich arbeiten 1189 Stick
maschinen mit Hand-, 75 mit Kraft-
betrieb und 1250 Handschnnrmaschincn.
Für Posamenten ist Barmen der wich
tigste Ort, dann Berlin, Brieg, Stutt
gart, Jsny, Annaberg; 522 Klöppel
maschinen mit Kraft-, 292 mit Hand
betrieb, 1356 Maschinen für Listen und
Kordeln arbeiten in dieser Branche. Die
Zeug drucke rei wird gepflegt in Berlin,
Oberelsaß (Mülhausen), in den badischen
Städten Säckingen, Lörrach, Konstanz,
Augsburg u. a. Der gesamte Handel mit
Seiler-, Web-, Wirkwaren und Kleidern
wertete (in Millionen Mark):
Einfuhr Ausfuhr
1873: 181,2 405,3
1876: 171,8 392,3
1879: 157,7 416,2
0. Ehcmifchc Industrie.
Dieselbe hat sich in den letzten Jahren
außerordentlich gehoben; außer den (S.
135) erwähnten großartigen Fabriken zu
Staßfurt und Leopoldshall existieren der
gleichen in den meisten bedeutenden Städ
ten; die chemische Großindustrie be
schäftigt in 335 Betrieben 7913 Personen,
258 Dampfmaschinen von 2815 Pferde
kräften. Wichtig sind die Ultramarin-
fabrikcn zu Nürnberg und in der Rhein-
provinz, die anö neuester Zeit datierenden
Anilin- und Alizarinfabriken zu
Höchst a. M., Elberfeld, Offenbach, Kre
feld, Mannheim rc. In den Betrieben zur
Erzeugung chemischer Präparate arbeite
ten 320 Dampfmaschinen von 3073 Pfcrdc-
kräften, in den Farbefabriken 222Maschi
nen von 3024 Pferdekräften. Der viel ver
zweigte, eine große Menge einzelner Posten
aufzählende Handel wird durch folgende
Gruppen repräsentiert. Es betrug 1879
der Wert der für den Handel wichtigsten
Droguen, Chemikalien, Zünd-
und Färb w aren (in Millionen
mitT):