88
XXV 1.
sich England fortgesetzt gegen amerikanische Schiffe heraus
nahm (Mr. Percival, H. o. C. 13, VI, 1806). Der Krieg zwischen
beiden Staaten hing an einem Haar; England vermied ihn
nur durch Widerrufung der Navigationsakte in Westindien
(siehe S. 114). Jedenfalls schwebte England in den ersten
3—4 Jahren des wieder ausgebrochenen Krieges selbst in zu
grofser Gefahr, als dafs es seinen westindischen Pflanzern durch
Vernichtung der feindlichen Kolonialflotten Entsatz bringen
konnte. Die französischen Kolonien blieben seit 1803 vom
Kriege verschont; im ganzen kann man bei ihnen sogar von
einem bescheidenen Aufschwung sprechen. Auf Guadeloupe
z. B. „vermehrte sich seit 1803 der Handelsverkehr bedeutend“
(Roloff, S. 158); „Guayana machte unter seinem energischen
Gouverneur Hugues im Plantagenbau schnellere Fortschritte
als je zuvor“ (ebendort). „Die ersten Kriegs) ah re brachten
für die Antillen weder grofse wirtschaftliche noch militärische
Nachteile“ (Roloff, S. 160ff.). „Auch für Spanisch-Domingo
hatte der Seekrieg keine üblen Folgen.“ „So wenig wie
Martinique oder Guadeloupe blockierten die Engländer die
Küste, und die Kolonie konnte ihren Bedarf an Lebensmitteln
und sonstigen Waren ungestört mit Hilfe der Amerikaner und
anderer Neutraler decken“ (ebendort, S. 166ff.). Auch das
übrige Mittel- und Südamerika wurde durch den Krieg in
seiner Entwicklung nicht gestört. —
2. Die Durchbrechung des britischen Kolonialmonopols durch den
Handel der Neutralen.
Mit der Erstarkung der nichtbritischen Plantagenwirt
schaft ging Hand in Hand ein rapides Wachstum des Kolonial
handels der neutralen Staaten, welcher den britischen Kolonial
waren in Europa schwere Konkurrenz bereitete und zu einer
weiteren Ursache der Krisis wurde. Die neutralen Seemächte —
in erster Linie die Vereinigten Staaten und Dänemark, aber
auch die Hansestädte u. a. — hatten sich in dem allgemeinen
Völkerkriege zu Zwischenhändlern zwischen Europa und den
nichtenglischen Kolonien emporgeschwungen. „Die Leichtigkeit
des Verkehrs zwischen den englandfeindlichen Kolonien und
Europa unter neutraler nordamerikanischer Flagge ist ein
Hauptgrund der westindischen Krisis“ und dadurch der Abo
lition geworden (Egerton, S. 276).
Der Zwischenhandel der Nordamerikaner mit Europa und
Westindien hatte in kurzer Zeit einen erstaunlichen Umfang an
genommen und ihren Küstenhandel, dem bis 1793 diegröfsere Be
deutung zugekommen war, mehrfach überflügelt (Pitkin, S. 136).
Er vollzog sich entweder in der Weise, dafs er die französischen,
spanischen und holländischen Kolonialwaren direkt in die ent
sprechenden Mutterländer führte, oder indem er sie über nord-